Leitartikel

Nordschleswigs Stimme(n)

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Das Gros des derzeitigen 41-köpfigen Regionsrates auf einen Blick. Foto: Region Syddanmark

Selbst bei einem SP-Wahlerfolg bleibt die Stelle als vereinende Stimme des Landesteils, die auch extern das nötige Gewicht hat, wohl vakant. Aber eine markantere nordschleswigsche Stimme im Regionsrat, die „æ sproch“ des Landesteils kann und versteht, war noch nie so wichtig wie heute – auch grenzüberschreitend, meint Peter Lassen.

Die Stimmen, die meinen, dass Nordschleswig wieder eine markante Integrationsfigur braucht, die den Landesteil nicht nur politisch verkörpert und vertritt, hört man immer wieder. Als Amtsbürgermeister und starker V-Mann im Amtsratsverein war Venstre-Herzog Kresten Philipsen eine solche Person, die parteiübergreifend auch in Kopenhagen Gehör fand.

Aktuell macht das Oberhaupt der Danfoss-Familie, Jørgen Mads Clausen, häufig auch grenzüberschreitend Vorstöße. Die sind aber immer wieder irgendwie (zu) alsenlastig, als dass sie für den ganzen Landesteil sprechen könnten.

Philipsen-Nachfolger Carl Holst wuchs nie so richtig in die Rolle des von allen akzeptierten Herzogs von Nordschleswig hinein – obwohl er weit mehr persönliche Stimmen als der Bauer von Lundtoftberg holte. Auch als Regionsvorsitzender war Holst ein Machtfaktor – und eben ein echter Nordschleswiger aus Rödding.
Aber nach dem hinreichend bekannten „Fall Holst“ und als Esbjerger Folketingsmitglied ist Holst noch weniger als jemals zuvor Nordschleswigs Stimme.

Keiner der vier Bürgermeister im Landesteil kann oder will sich diesen Schuh anziehen.
Dabei zeigen die aktuellen Kandidatenlisten für die Regionswahl, dass Nordschleswig bei den Parteien an Stellenwert verloren hat. Wenn man davon absieht, dass Venstre-Spitze und Amtsinhaberin Stephanie Lose in Lügumkloster geboren und aufgewachsen ist, ist im Chor der Großen eigentlich nur DF-Mann Thies Mathiasen aus Hadersleben Spitze – von der Platzierung her.

Der frühere Broacker-Bürgermeister Jørn Lehmann Petersen ist bei den Genossen als Nr. 2 um einen Rang befördert worden im Vergleich zur Wahl 2013. Aber danach sieht es dann schon dünn aus für Nordschleswig. Bei den Konservativen, die ihr Team völlig neu aufgestellt haben, ist der erste nordschleswigsche Kandidat die Nr. 7 – ein 23-Jähriger aus Hadersleben. SF setzt auf Kolding und den früheren Außenminister Villy Søvndal.

Nein, Nordschleswig braucht wahrlich eine eigene regional und auch gerne überregional markante Stimme, die den Landesteil der vier Kommunen als starke Einheit präsentieren und in Erinnerung halten kann.
Da hat die Schleswigsche Partei mit ihrem Spitzenkandidaten Gösta Toft wahrlich eine Mission zu erfüllen. Und man darf gespannt sein und hoffen, dass der Sprung ins 41-köpfige Plenum im Roten Wurm in Vejle auf Anhieb gelingt.
Selbst bei einem SP-Wahlerfolg bleibt die Stelle als vereinende Stimme des Landesteils, die auch extern das nötige Gewicht hat, wohl vakant. Aber eine markantere nordschleswigsche Stimme im Regionsrat, die „æ sproch“ des Landesteils kann und versteht, war noch nie so wichtig wie heute – auch grenzüberschreitend.

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