Leitartikel

„Natur und Tourismus Hand in Hand“

Natur und Tourismus Hand in Hand

Natur und Tourismus Hand in Hand

Nordschleswig/Sønderjylland
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Nachhaltiger Tourismus ist gefragt und vor allem auch in Nordschleswig der einzige Weg. Wenn wir nicht auf unsere Natur aufpassen, stirbt letzten Endes auch der Fremdenverkehr, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Es ist eine Balance und eine globale Herausforderung: Überall in der Welt locken Naturwunder und Sehenswürdigkeiten Millionen von Touristen an. Great Barrier Reef vor Australien, Grand Canyon in den USA, der Jakobsweg in Nordspanien, die Alpen in Mitteleuropa – ja, und auch die Küsten Dänemarks. Alle haben sie eine große Anziehungskraft. Doch die Natur ist in vielen Gegenden bis an ihre Grenzen strapaziert.

Ayers Rock, die Galapagosinseln, Riffe in den Weltmeeren werden häufig ganz oder zum Teil gesperrt, weil der Andrang zu groß ist, und die Natur platt getreten wird.

Dabei sieht die Fremdenverkehrsindustrie in diesen Jahren noch viel größeres Potenzial im Natur- und Kulturtourismus. Die Menschen wollen raus ins Freie, frische Luft einatmen und die bildschöne Natur genießen. Ein Dilemma.

Auch in Nordschleswig sieht man Möglichkeiten, den Tourismus noch weiter zu entwickeln. An der Westküste möchte man den Ganzjahrestourismus fördern, und an der Ostküste wundert man sich auf dem Gendarmenpfad manchmal, warum nicht noch mehr Leute entlang der Flensburger Förde spazieren gehen. Hier ist noch Platz.

Doch dabei ist die Belastung schon jetzt spürbar, wenn Mountainbiker oder Wanderer die Pfade verlassen und in der Natur umhertrampeln. Oder wenn täglich Abfallberge von den Stränden abtransportiert werden müssen, am besten bevor der Müll durch den Wind ins Meer getragen wird.

Bei Flugscham und Klimadenken ist es leicht vorstellbar, dass der Druck auf die heimische Natur und Sehenswürdigkeiten in den kommenden Jahren sogar steigt, dann nämlich, wenn wir in der nahen Umgebung Urlaub machen.

Wirtschaft, Gemeinden und Touristikindustrie legen ihr Augenmerk zum Glück immer mehr auf Nachhaltigkeit. Weil es Sinn ergibt, aber auch weil es ein Trend ist, dass immer mehr Touristen nachhaltige Ferien möchten: Sie wollen wissen, dass sie keinen Schaden verursachen oder gar der Natur einen Gefallen tun können.

An der Westküste Süddänemarks investieren die Nordea-Stiftung, der Nationalpark Wattenmeer und die Kommunen an der Küste nun außerdem knapp 22 Millionen Kronen, um den Tourismus an der Küste zu fördern, gleichzeitig aber die Werte vor Ort zu schützen. In dem Zusammenhang geht es auch darum, wie sich die Urlaubsinsel Röm in Zukunft präsentiert, denn auch hier ist noch viel Luft nach oben.

Der Tourismus ist in Nordschleswig ein gutes Geschäft, und viele leben davon. Aber der Fremdenverkehr ist auch eine Balance zwischen wirtschaftlicher Entwicklung auf der einen und Nachhaltigkeit und Naturschutz auf der anderen Seite. Diesen Spagat muss auch Nordschleswig schaffen. Sonst sterben Natur und Tourismus Hand in Hand.

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