Leitartikel

Nachrichten für Parteifreunde

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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DF ist nicht die erste Partei, die sich mit einem eigenen Nachrichtendienst versucht. Foto: Screenshot

Die Parteien und Politiker nutzen heute schon fleißig die sozialen Plattformen, um ihre Botschaft unversehrt an den Wähler zu bringen. Das Aus für die traditionellen Medien? Keinesfalls, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Breaking News beim Sommertreffen der Dänischen Volkspartei (DF) in Sonderburg: Die nationalkonservative Partei steigt mit einem eigenen Onlinemedium in die Nachrichtenbranche ein. Konkurrenz für die bestehende Medienlandschaft?

Keinesfalls. DF ist nicht die erste Partei, die sich mit einem eigenen Nachrichtendienst versucht: Die Sozialdemokraten haben PioPio, und die Einheitsliste hat „Listen – Danmarks Progressive Podcast“. Mit freier Presse haben diese Medien allerdings nicht zu tun – es sind Propaganda-Schriften: keine kritischen Gegenfragen, keine entgegengesetzten Meinungen. Also eigentlich nur ein Parteiprogramm in Verkleidung. Und was bringt ditoverblik.dk von der Dänischen Volkspartei? Vor allem natürlich eigene Versionen der derzeitigen dänischen Ausländerpolitik: Lob für das Burkaverbot (Verschleierungsgesetz) und die Straffungen bei der Einreise. Mit 14 Artikeln ist das Thema „Ausländer“ erwartungsgemäß Spitzenreiter. Aber auch härtere Strafen, mehr Schutz für Tiere und bessere Hilfe für chronisch Kranke haben es in die „Zeitung“ geschafft.

Die DF-Nachrichten passen in den Trend, dass sich die Parteien den direkten Weg zum Wähler suchen und somit kritischen Journalistenfragen aus den Weg gehen. Warum? Weil sie angeblich nicht ihre Version erzählen können – weil Journalisten mit kritischen Fragen ständig unterbrechen. Das gleiche Argument nutzte der führende Sozialdemokrat Henrik Sass Larsen, als er sich vom früheren DR-Fernsehjournalisten Reimar Bo interviewen ließ und verkündete, dass er sich in Zukunft nur noch viermal im Jahr interviewen lassen werde – und nur dann, wenn die Sozialdemokraten selber den Rahmen für das Interview abstecken. Und genau das war auch mit Reimer Bo der Fall – er war von den Sozialdemokraten angeheuert und bezahlt. Nur keine kritischen Fragen.

Außerdem nutzen Parteien und Politiker heute schon fleißig die sozialen Plattformen, um ihre Botschaft unversehrt an den Wähler zu bringen. Das Aus für die traditionellen Medien? Keinesfalls. Zum Glück können heute schon Grundschüler die Nachrichten nach dem Absender sortieren und kritischen „Journalismus“ von unkritischen Bekanntmachungen unterscheiden, und auf den „Nachrichtenseiten“ der Parteien werden sich daher vor allem die unverbesserlichen Parteifreunde tummeln. Wenn die Parteien dafür Geld ausgeben wollen – bitteschön. Es hat aber einen Beigeschmack von Fake News oder im besten Falle von schlechter Werbung.

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