Leitartikel

Eine Mitgliedschaft für Milliarden

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Dänische Soldaten vor Rosenborg in Kopenhagen. Foto: Scanpix

Über die nächsten sechs Jahre schlägt die Regierung vor, insgesamt 12,8 Milliarden mehr in die dänischen Streitkräfte zu investieren. Eigentlich ein Trauertag in der dänischen Politik, auch wenn der dänische Vorschlag von Seiten der NATO beklatscht wird, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

21,7 Milliarden Kronen. Das wird 2023 der Jahreshaushalt der dänischen Streitkräfte sein. Das sind gut 20 Prozent oder 4,8 Milliarden Kronen mehr als bisher. Den Vorschlag für den neuen Militärhaushalt machte am Mittwoch die Regierung. Zwar werden bei den kommenden politischen Verhandlungen auf Christiansborg sicherlich noch einige Änderungen vorgenommen werden, an der Höhe der Rechnung wird sich aber kaum etwas ändern.

Über die nächsten sechs Jahre schlägt die Regierung vor, insgesamt 12,8 Milliarden mehr in die dänischen Streitkräfte zu investieren. Eigentlich ein Trauertag in der dänischen Politik, auch wenn der dänische Vorschlag von Seiten der NATO beklatscht wird.

Es ist kein gutes Zeichen, dass in diesen Jahren nicht nur in Dänemark, sondern überall auf der Welt scheinbar aufgerüstet wird und immer mehr Geld in Kampfflugzeuge, Hubschrauber, Kriegsschiffe und Raketen gesteckt wird.

Mit Dänemarks Mitgliedschaft in der NATO folgen allerdings gewisse Verpflichtungen, und daher sind viele der geplanten Investitionen nötig. Die Dänen können keine Freikarte ziehen und vom Spielfeldrand zuschauen, sondern müssen in der militärischen Zusammenarbeit natürlich auch mit den anderen Nationen auf Augenhöhe sein – und somit Milliarden investieren.

Es wäre schön, wenn dies nicht nötig wäre und die Milliarden anderswo eingesetzt werden könnten – es gibt Bereiche genug, in denen das Geld vernünftig eingesetzt werden könnte. Das Wettrüsten (auch wenn wir nicht in der Nähe eines Kalten Krieges sind) muss daher ein Ende haben. Aber sagen wir das mal den Herren Trump und Kim Jong-un. Die treiben derzeit unsere Militärausgaben in die Höhe.

Bis sich die Lage allerdings normalisiert, muss (leider) Geld investiert werden, um zum Beispiel die steigende Cyber-Kriminalität zu bekämpfen. Ansonsten sind die Investitionen für uns Laien nur schwer nachvollziehbar und eben nur mit der sehr teuren – aber notwendigen – Mitgliedschaft in der NATO zu erklären.

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