Leitartikel

„ Mette Frederiksen mit nur 35 Prozent Frauen-Power“

Mette Frederiksen mit nur 35 Prozent Frauen-Power

Mette Frederiksen mit nur 35 Prozent Frauen-Power

Apenrade/Aabenraa
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Nur sieben von 20 Ministern in der Frederiksen-Regierung sind Frauen. Es hätten also durchaus ein paar mehr Frauen im Ministeramt sein können, meint Chefredaktuer Gwyn Nissen.

Es war zwar nicht das große Wahlthema, aber es ist aktuell eines der wichtigsten gesellschaftlichen Themen: die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Ein Thema, das umgehend auch zum Regierungsthema geworden ist. Nicht etwa, weil die neue Regierungschefin Mette Frederiksen die Gleichberechtigung auf die Tagesordnung gesetzt hat. Sondern weil sie es versäumt hat, von Anfang an ein wichtiges Zeichen zu setzen.

Nur sieben von 20 Ministern in der Frederiksen-Regierung sind Frauen, lediglich 35 Prozent. 13 sozialdemokratische Männer haben einen Ministerposten übernommen. Unter der vorigen Regierung von Lars Løkke Rasmussen waren es bei 9 Ministerinnen und 22 Ministerposten immerhin 41 Prozent. Besser, aber auch nicht gut genug.

Es hätten also durchaus ein paar mehr Frauen im Ministeramt sein können – Folketingsmitglieder wie Maja Panduro Kyk oder Annette Lind hätten durchaus die politische Erfahrung aus dem Folketing gehabt, und sicherlich hätte Frederiksen auch außerhalb des Folketings eine weitere qualifizerte Frau finden können.

Denn warum nicht 11 von 20 Ministerposten mit Frauen besetzen? Das hätte Signalwirkung gehabt – und etwas in diese Richtung haben viele sicherlich auch von einer sozialdemokratischen Regierungschefin erwartet. Das zeigten zumindest die ersten Reaktionen, unter anderem von Pia Olsen Dyhr, Parteichefin der Volkssozialisten SF, die Mette Frederiksen zur Macht verholfen haben. Mette Frederiksen hat sich von Tag eins an angreifbar gemacht – zumindest in diesem Punkt, der für sie anscheinend nicht so wichtig ist. Für mehr als die Hälfte der Bevölkerung aber schon.

Hier findet der Chefredakteur wieder das Haar in der Suppe, mögen einige meinen. Es geht doch darum, das beste Team zusammenzustellen, und wenn das nunmal alles Männer sind? Die neue Regierung ist sicherlich qualifiziert, aber natürlich wäre es möglich gewesen, eine Regierung zusammenzusetzen, bei der sich Männer und Frauen die Aufgaben (und Ministerien) teilen.

Für weiteren Diskussionsstoff sorgt auch, dass Frederiksen – wie andere Regierungschefs vor ihr – Minister von außerhalb des Folketings geholt hat und aus anderen politischen Gremien abwirbt. Joy Mogensen war bisher Bürgermeisterin in Roskilde, während Jeppe Kofod soeben von 188.000 Wählern für das Europaparlament gewählt worden ist. Jetzt kehren sie ihren Wählern sozusagen den Rücken, doch auch das muss gesagt werden: Es gibt Aufgaben, die für das Land von größerer Bedeutung sind. Und dafür müssen Politiker und Opfer eben auch mal Opfer bringen.

Mette Frederiksen kann jetzt loslegen, nicht nur als Sozialdemokratin, sondern als Chefin für das ganze Land. Der erste von vielen schwierigen Arbeitstagen ist in Gange. Es warten noch viele weitere.

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