Leitartikel

„Mette F. ganz vorn“

„Mette F. ganz vorn“

„Mette F. ganz vorn“

Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:

Lars Løkke Rasmussen hat noch fünf Monate, um irgendwie eine Wende herbei zu führen. Doch dabei helfen ihm weder Wählergeschenke im Haushalt, noch eine Gesundheitsreform mit dem Patienten (= dem Wähler) im Fokus, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Es zeichnet sich ein immer deutlicheres Bild von der kommenden Folketingswahl ab: Egal was die jetzige bürgerliche VLAK-Regierung aus dem Hut zaubert – es hilft nicht wirklich.

Die Sozialdemokraten und ihre Freunde auf dem linken Flügel haben in den Meinungsumfragen zugelegt und derzeit trennen die beiden Flügel ganze zehn Prozentpunkte. Das sind in der Politik Welten und niemand glaubt so recht daran, dass Regierungschef Lars Løkke Rasmussen den eigenen Tanker nochmal wenden kann. Zumal auch die Dänische Volkspartei in krisenähnlichem Zustand ist. Wie die dänische Zeitung Politiken titelte: „Früher konnte Kristian Thulesen Dahl auf dem Wasser gehen – nun ist er von Problemen umzingelt.“

Letztes Mal, 2015, gewann die Dänische Volkspartei die Wahl für ein schwächelndes Venstre und einen angeschlagenen Lars Løkke Rasmussen. Diesmal scheint von DF keine helfende Hand zu kommen.

Den letzten Hieb schien der dänische Regierungschef am Wochenende bekommen zu haben: eine Norstat-Meinungsumfrage für Jyllands-Posten zeigt, dass die Dänen Mette Frederiksen von den Sozialdemokraten als kompetenteste Parteichefin des Landes sehen. Dabei hat Mette Frederiksen diesmal sogar Kristian Thulesen Dahl überholt, was auch die Herausforderungen von DF unterstreicht. Mette Frederiksen liegt mit dem Wert 1,7 ganz vorn, vor Thulesen Dahl mit 1,5 Punkten. Lars Løkke Rasmussen wird sogar von zwei weiteren Parteichefs auf den fünften Platz verwiesen, denn auch Pernille Skipper von der Einheitsliste (1,1) und Pia Ohlsen Dyhr von der Sozialistischen Volkspartei (1,1) erreichen einen besseren Wert als Lars Løkke (1,0).

Interessant ist übrigens, dass Uffe Elbæk von den Alternativen, der sich selbst als Staatsminister-Kandidat ins Spiel gebracht hat, mit -1,1 von den Wählern die schlechteste Note bekommen hat.

Lars Løkke Rasmussen hat noch fünf Monate, um irgendwie eine Wende herbei zu führen. Doch dabei helfen ihm weder Wählergeschenke im Haushalt, noch eine Gesundheitsreform mit dem Patienten (= dem Wähler) im Fokus. Im Gegenteil: Die Sozialdemokraten konterten mit einem neuen Renten-Vorschlag (übrigens ohne Finanzierung) und setzten damit in den letzten Tagen die Tagesordnung in den Medien.

Damit scheinen Lars Løkke und die bürgerliche Regierung ihre Karten ausgereizt zu haben. Alles was jetzt noch kommt, wird von den Wählern als desperater Versuch gesehen, in irgendeiner Weise an der Macht zu bleiben. Das einzige was Løkke noch bestimmt, ist, wann die Wahl abgehalten wird. Alles andere ist gelaufen.

Mehr lesen

Leitartikel

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
„Sprachlos“

Meinung

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Zirkus Allianz“