Leitartikel

„Maske auf und durch“

Maske auf und durch

Maske auf und durch

Apenrade/Aabenraa
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Es könnte sein, dass bald auch in Dänemark eine Maskenpflicht gilt. Einen Aufstand wird das nicht auslösen, meint Cornelius von Tiedemann. Er meint, dass die Menschen hier nach der ersten Welle wissen, was auf dem Spiel steht.

Es gibt Anzeichen dafür, dass sich eine zweite Welle mit Corona-Infektionen bahn brechen könnte. Masken sind in Dänemark aber dennoch noch längst nicht Pflicht, zumindest an den meisten öffentlichen Orten nicht.

Doch es ist wichtig, dass wir uns mental darauf vorbereiten, dass es so kommen kann wie in 131 anderen Ländern auf der Welt.

Und dann sollten wir alle mitspielen und uns nicht wie die gefährlichen Maskenverweigerer in Amerika und anderswo aufspielen, die mit ihrer Rücksichtslosigkeit, unbedingt eine Wahl haben zu wollen, anderen keine Wahl lassen.

Natürlich darf man anderer Meinung sein als andere, und natürlich darf man seine Meinung auch sagen. Aber hier geht es eben um etwas Wichtigeres als Rechthaberei: Es geht um Menschenleben.

In einem Dänemark, in dem das Virus nur noch alle paar Tage einen Menschen das Leben kostet, ist das vielleicht schwer vermittelbar. Und doch sollten gerade die Menschen hier, die für ihren gesellschaftlichen Zusammenhalt bekannt sind (und sich auch selbst gerne damit rühmen) es hinbekommen, auch dann Masken zu tragen, wenn der „Feind“ unsichtbar ist und schwach scheint.

Die Alternative: Sollten die Infektionszahlen erneut deutlich zunehmen, müsste die Gesellschaft erneut „schließen“. Schulen, Läden, Praxen, Friseursalons, Stadien und so weiter.

Durch das Tragen von Masken könnte das möglicherweise verhindert werden. Denn die Masken wirken. Darüber besteht mittlerweile breiter Konsens. Einerseits verhindern sie tatsächlich in gewissem Umfang direkt Infektionen (das zeigt unter anderem eine deutsch-dänische Studie, wie berichtet), andererseits steigern sie das Bewusstsein, dass es das Coronavirus noch immer gibt.

Und die Masken schützen auch vor jenen Infizierten, die (noch) gar nicht wissen, dass sie infiziert sind, weil sie (noch) keine Symptome haben.

Es ist gut, dass die Experten und Verantwortlichen uns schon jetzt darauf vorbereiten, dass wir möglicherweise bald zur Maske greifen müssen. So haben wir Zeit, uns welche zu besorgen – und uns an den Gedanken zu gewöhnen. Wir hier im Grenzland haben ja vielfach schon Übung darin und kennen die Masken aus Deutschland.

Dennoch tragen bisher nur wenige sie auch hierzulande – zum Beispiel beim Einkauf. Man will ja nicht „verdächtig“ wirken. Eine Maskenpflicht würde es den Vorsichtigen erleichtern, sich verletzlich zu zeigen. Auch das ist ein Aspekt.

Ja, es ist durchaus merkwürdig, sich zu maskieren. Aber es rettet auch Leben. Und nur weil es hier keine dramatischen Szenen wie in Großbritannien, Italien oder den USA gibt und gab, wo das Gesundheitswesen zusammenzubrechen droht(e) und Abertausende sterben und starben, heißt das nicht, dass es sich nicht lohnen würde, auch nur für ein einziges Menschenleben eine Weile lang eine Maske aufzusetzen, wenn wir uns unter Leute begeben.

Alles deutet darauf hin, dass die allermeisten Menschen in Dänemark eine vorübergehende Maskenpflicht nachvollziehen würden. Dass wir schon jetzt darüber sprechen und positive Erfahrungen aus anderen Ländern sammeln konnten, wird der Akzeptanz nur zuträglich sein. Und die wird es brauchen, sollte die Politik vor der Wahl stehen zwischen Masken und Massenquarantäne.

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