Leitartikel

Lose steht ihren Mann

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Stephanie Lose
Stephanie Lose Foto: Region Syddanmark

Der Herzog von Lundtoftberg wäre stolz auf seine Nachfolgerin aus Lügumkloster, meint Peter Lassen und stellt fest: Ja, Frauen können wahrlich auch Machtpolitik.

Nachdem sie Ende Juni 2015 im Roten Wurm in Vejle den süddänischen Regionsvorsitz von dem nach Kopenhagen wechselnden Venstre-Kollege Carl Holst übernahm, hat die 35-jährige Stephanie Lose wahrlich ihren Mann gestanden, wie es in der immer noch oft von Männern dominierten Welt der Macht heißt.

Die verheiratete Mutter zweiter Töchter hat nicht nur in Süddänemark Blitz-Karriere gemacht, sondern hat nun auch den machtvollsten Stuhl im dänischen Gesundheitswesen eingenommen. Sie ist neue Vorsitzende des Verbandes der Regionen, Danske Regioner. Hier löst sie den bisherigen „König der Gesundheit“, Genosse Bent Hansen aus Mitteljütland, ab, der schon einst im Amtsratsverein mit einer anderen Venstre-Größe die Macht teilte – mit Nordschleswigs einstigem und landesweit bekannten Amtsbürgermeister Kresten Philipsen.

Während Herzog Kresten von Lundtoftberg, der es auch an die Spitze des damaligen Amtsratsvereins schaffte, den Machtmenschen schon mal nach außen kehrte, hat Lose ihre Position primär durch geschicktes Agieren im Stillen gesichert und ausgebaut.

Nachdem sie bei der Regionswahl im November ein nahezu bombastisches Wahlergebnis holte und vor laufenden Kameras auch den selbst ernannten Superstar und ehemaligen SF-Chef Villy Søvndal „auf den Pott setzte“, arbeitete sie schon an der Spitzenposition bei Danske Regioner, wo sie unter Neurentner Hansen nach Holst Vizevorsitzende wurde. Schon kurz nach der Wahl war die erst in der letzten Woche umgesetzte Konstituierung im Aufsichtsrat der Regionen ausgehandelt. Lose konnte die entscheidende radikale Stimme und damit ein 9:8 für sich im Aufsichtsrat sichern, in dem „nur“ sechs Frauen sitzen – drei davon aber Regionsvorsitzende.

Dabei setzte Lose vier sozialdemokratische Regions-Chefs schachmatt. U. a Ulla Astmann aus Nordjütland, die neue Stellvertreterin ist – und die zehn Jahre lang den Vorsitz im machtvollen Gesundheitsausschuss der Regionen hatte. Den bekommt nun die radikale Karin Friis Bach aus Kopenhagen – für das Ja zu Lose. Ja, Frauen können wahrlich auch Machtpolitik.

Der Herzog von Lundtoftberg wäre stolz auf seine Nachfolgerin aus Lügumkloster…

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