Leitartikel

Liebe Schüler: Es wird hart

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Die Gymnasiumszeit ist viel mehr als nur gute Noten, meint Gwyn Nissen. Es ist ihm zufolge auch eine Zeit der Findung, in der sich junge Menschen orientieren, entfalten und engagieren.

Unterrichtsministerin Merete Riisager von der Liberalen Allianz und ihr Kollege, Bildungs- und Forschungsminister Søren Pind (Venstre), haben einen wichtigen Bescheid an Jugendliche, die ins Gymnasium gehen und anschließend an einer Universität studieren wollen: Es wird hart (und die beiden Minister haben kein Mitleid mit dir).

Berlingske Tidende führte jüngst ein Doppelinterview mit den Ministern. Daraus geht eindeutig hervor, dass Riisager und Pind nicht viel vom Niveau an den Gymnasien halten. Die drei Jahre am Gym seien zu leicht. Die Schüler sind nicht ausreichend gefordert, und ihr Wissen ist mangelhaft, wenn sie das Gymnasium verlassen. „Das schadet unserem Bildungssystem“, sagt Pind, der sich dafür einsetzt, dass sich Schüler in das „Sublime und Schwere“ vertiefen.
Daher der Bescheid an die kommenden Gymnasiasten: Die Schulzeit in der Oberstufe wird kein Zuckerschlecken. Konkret hat die Gymnasialreform von 2016 ab diesem Schuljahr Änderungen mit sich geführt; die Zugangsvoraussetzungen sind erschwert worden, (fast) alle Schüler erhalten in Zukunft Mathematik mindestens auf B-Niveau, und die Anzahl der Studienrichtungen ist reduziert.

Die harsche Kritik an Gymnasien und Abiturienten ist zum Teil fehl am Platze – und zeugt von einem super-liberalen Wirtschaftsdenken, bei dem alles gemessen und in Excel-Dateien ausgewertet werden kann. Nur die Zensuren zählen für Pind und Riisager. In einer Sache haben sie allerdings recht: Ein gewisses fachliches Niveau ist nötig, um sich später an der Universität behaupten zu können.

Aber die Gymnasiumszeit ist viel mehr als nur gute Noten. Es ist auch eine Zeit der Findung, in der sich junge Menschen orientieren, entfalten und engagieren. So viel Zeit muss sein, und sie darf nicht einem politischen Effizienz-Denken zum Opfer fallen. Ja, wir wollen, dass junge, schlaue Menschen aus unseren Jugendlichen werden, aber wir wollen keine uniforme Massenware ohne Charakter, soziale Kompetenzen und Lebenserfahrung, nur weil Politiker eine „harte Schule“ fordern. Diese Rechnung geht auf dem Papier vielleicht auf, nicht aber in einer komplexen Welt, in der andere Kompetenzen als die rein fachlichen eine genauso große Rolle spielen.

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