Leitartikel

„Lars Løkke kämpft um sein politisches Leben“

Lars Løkke kämpft um sein politisches Leben

Lars Løkke kämpft um sein politisches Leben

Apenrade/Aabenraa
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Løkke will weiterhin an der Spitze seiner Partei bleiben und zog am Wochenende einen Trumpf aus dem Ärmel: Der Landesparteitag soll vom November in den September vorverlegt werden. Angeblich, damit wieder Ruhe in die Partei kehrt. Løkkes Schachzug ist aber auch ein direkter Angriff auf seine Gegner, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Das Drama um die bürgerliche Partei Venstre nimmt kein Ende. Spätestens am Wochenende ist allen klar geworden, dass der Parteivorsitzende und frühere Staatsminister Lars Løkke Rasmussen um sein politisches Leben kämpft.

Dabei dachten Løkke und seine Anhänger, dass der Ärger endlich gedeckelt sei, als sich der Parteivorsitzende und sein Vize, Kristian Jensen, vorige Woche auf die Rollenverteilung in der Partei einigten (Jensen wurde arg gebeutelt, weil er vor drei Wochen seinen Vorsitzenden angegriffen hatte). Doch seit längerem schwelt die Unruhe – diesmal nicht unter den Folketingspolitikern, sondern bei den Venstre-Mitgliedern auch in der Provinz.

Wer geglaubt hatte, dass der frühere Regierungschef klein bei geben und sogar auf den Vorsitz verzichten würde, sah sich am Wochenende aber getäuscht: Løkke will weiterhin an der Spitze seiner Partei bleiben und zog einen Trumpf aus dem Ärmel: Der Landesparteitag soll vom November in den September vorverlegt werden. Angeblich, damit wieder Ruhe in die Partei kehrt.

Løkkes Schachzug ist aber auch ein direkter Angriff auf seine Gegner. Der Taktiker in ihm weiß, dass mit jedem Tag, an dem die Diskussionen über seine Person fortgesetzt werden, seine Position schwächer wird. Außerdem bedeutet ein Parteitag im nächsten Monat, dass eventuelle Gegenkandidaten zu Løkke kaum eine Chance bekommen, sich zu profilieren. Wenn es denn Gegenkandidaten gibt.

Der zweite Vorsitzende, Kristian Jensen, würde mit Lars Løkke Rasmussen abstürzen und kämpft daher ebenso um sein politisches Leben. Die Vorsitzende der Region Süddänemark, Stephanie Lose, ist mehrfach genannt worden, da sie auch zu den Kritikern der jetzigen Führung gehört. Aber würden die Venstre-Mitglieder Lose oder anderen Kommunal- und Regionspolitiker vertrauen?

Einzig und allein Jakob Elleman-Jensen wäre eine echte Alternative, doch der hält sich aus dem Kampf heraus. Außerdem kommt seine Zeit in der Partei noch – dafür muss er sich jetzt nicht in die Schlammschlacht einmischen.

Am Ende könnte Lars Løkke Rasmussen als einziger realer Kandidat dastehen. Ob damit allerdings Ruhe einkehrt, ist ungewiss. Aber Løkke hätte zumindest wieder gezeigt, dass es keine Alternative zu ihm gibt. Und wenn er Glück hat, wird stattdessen Kristian Jensen herausgefordert und somit hätte Løkke aus der Krise gar seinen ärgsten Gegner rauskatapultiert. Es folgen bald weitere Kapitel in dieser Venstre-Posse.

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