Leitartikel

LA macht Druck auf DF

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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LA-Parteichef Anders Samuelsen. Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Die nächste Folketingswahl lauert um die Ecke. Die Frage ist, ob es bei einem Zischen der Dänischen Volkspartei bleibt, oder ob die Liberale Allianz wieder erdrückt wird, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Ist das denn überhaupt möglich, muss man sich bei dieser Überschrift fragen? Bisher hat die Dänische Volkspartei immer wieder die Liberale Allianz abblitzen lassen und hat die Liberalen um Parteichef Anders Samuelsen ein ums andere Mal gedemütigt. In allen drei Regierungsjahren von Lars Løkke Rasmussen (Venstre) hat es den Anschein gehabt, als ob DF ständig in den Lieblingsgegner gegrätscht ist, statt den Ball treffen zu wollen.
Deshalb ist die erste Reaktion eher ein Schmunzeln darüber, dass das Kaninchen LA sich scheinbar aus dem Würgegriff der Schlange DF befreit wähnt und jetzt versucht, den Spieß umzudrehen.

In einer Chronik in Jyllands-Posten ziehen die Parteispitzen der Liberalen Allianz Parallelen zu 1975, als eine bürgerliche Regierung so gut wie beschlossen war, aber als die Fortschrittspartei (Fremskridtspartiet) plötzlich wackelte, lief der Sozialdemokrat Anker Jørgensen mit der Macht. Eine bürgerliche Tragödie, die sich wiederholen kann, meinen Anders Samuelsen und Co., wenn sich die Dänische Volkspartei nicht in den Griff bekommt und sich entscheidet: Will DF mit Lars Løkke Rasmussen einen bürgerlichen Regierungschef oder setzen die Nationalkonservativen auf die Sozialdemokratin Mette Frederiksen?

In der LA-Chronik werden die „Erfolge“ der bürgerlichen Regierung hervorgehoben, und taktisch klug werden vor allem die Kernziele von DF: mehr Geld für Gesundheit und Militär, bessere Möglichkeiten für die Randgebiete im Lande, härteres Vorgehen gegen Kriminelle und die Ausbremsung von Asylanten. Ach ja, und dann noch das Hauptanliegen der LA: Steuersenkungen in Höhe von 23 Milliarden Kronen – der größte Zankapfel zwischen den beiden Parteien.

Das alles setzt die Volkspartei aufs Spiel, wenn Parteichef Kristian Thulesen Dahl und seine Parteifreunde weiterhin „nur“ die Liberale Allianz ärgern wollen und mit Mette Frederiksen liebäugeln.
Es ist zwar schwer zu sehen, wie sich Schlange und Kaninchen in so kurzer Zeit wieder näherkommen sollen. Vor allem nach dem selbstbewussten Auftreten von DF in dieser Woche, wo die Auflösung der Regionen gefordert wurde.

Die nächste Folketingswahl lauert um die Ecke. Die Frage ist, ob es bei einem Zischen der Dänischen Volkspartei bleibt, oder ob die Liberale Allianz wieder erdrückt wird.

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