Leitartikel

Kurswechsel nötig

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Tim Marshall/Unsplash

Seit über 30 Jahren kommen in regelmäßigen Abständen neue alarmierende Meldungen über Belastungen des Trinkwassers. Redakteur Volker Heesch fragt sich, warum man nicht auf die Wasserwerksbetreiber hören wollte, die auch seit Jahrzehnten größere Schutzzonen um ihre Brunnen fordern.

Es ist schon eigenartig, seit über 30 Jahren in regelmäßigen Abständen mit neuen, alarmierende Meldungen über Belastungen des Trinkwassers in Dänemark konfrontiert zu werden.

Aktuell geht es um Funde von Spritzmittelresten, die neu in das Kontrollsystem der Umweltbehörden aufgenommen worden sind. Dabei sind es meist keine neuen Substanzen, die in die Analysen einbezogen werden, sondern vielfach Stoffe, die schon seit Jahrzehnten verboten sind. Sie treten im Trinkwasser auf, das oft 70 Meter und tiefer aus Grundwasserschichten gefördert wird.

Es ist keine Neuigkeit, dass unser Trinkwasser oft aus Wasseradern stammt, die aktuell aus Wasser gespeist werden, das vor 20, 30 oder gar 100 Jahren als Regen auf die Erde niedergegangen ist und anschließend durch gespritzte Felder, unberührten Wald oder seinerzeit noch auf einer Wiese versickert ist, auf der der Bauer mit Pferd und Wagen fuhr, aber ohne Agrarchemie gearbeitet hat.

Es ist toll, dass inzwischen auch der Venstre-Umweltminister bereit ist, die Schutzzonen um Trinkwasserbrunnen auszudehnen, die im vergangenen Jahr erst eingeführt wurden, mit einem Radius von gerade einmal 25 Metern.

Vor Jahrzehnten waren schon größere Schutzzonen gefordert worden. Vor allem von Seiten der Wasserwerksbetreiber, die schon seit Jahrzehnten immer wieder Trinkwasserbrunnen stilllegen mussten, weil sie Wasser mit zu hohen Pestizidkonzentrationen enthielten.

Warum man nicht auf die Wasserwerksbetreiber hören wollte, bleibt schleierhaft. Denn die Anlage neuer Brunnen kommt vor allem die Verbraucher teuer zu stehen, die immer mehr zur Kasse gebeten werden.

Es ist beim Trink- und Grundwasserschutz ein Kurswechsel nötig. Es gibt keine billigere Lösung, als im Einzugsbereich der Trinkwasserbrunnen den Spritzmitteleinsatz zu unterbinden.

Bitteschön auch gegen Entschädigungen, aber möglichst schnell.
Und es müssen auch die Bürger daran gehindert werden, ihre Gärten im Einzugsbereich der Brunnen zu „vergiften“, denn es gibt viele Fälle, wo Alltagsspritzmittel in benachbarte Brunnen von der Oberfläche her gelaufen sind.

Es sind längst nicht nur Landwirte, die für Grundwasserbelastungen gesorgt haben.
Und als Verbraucher kann man immerhin auch einen Beitrag gegen Grundwasserbelastung leisten, indem man ganz einfach Waren kauft, die ohne Spritzmitteleinsatz erzeugt worden sind. Um „Sünden der Vergangenheit“ in 50 Jahren vorzubeugen.

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