Leitartikel

„Königlicher Gruß“

Königlicher Gruß

Königlicher Gruß

Nordschleswig/Sønderjylland
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Es geht runter wie Öl, wenn die deutsche Minderheit von Königin Margrethe und Staatsministerin Mette Frederiksen zur besten Sendezeit des Jahres erwähnt wird, schreibt Chefredakteur Gwyn Nissen.

Bei einer Veranstaltung vor einigen Jahren in Flensburg sagte ein Mitglied der dänischen Minderheit: „Wir hätten als Minderheit gerne mehr Aufmerksamkeit." Woraufhin ich erwiderte: „Die dänische Minderheit bekommt jedes Jahr zur besten Sendezeit und vor dem größten Fernsehpublikum des Jahres einen königlichen Gruß – mehr Aufmerksamkeit kann man gar nicht bekommen." Königin Margrethe grüßt traditionsgemäß jedes Jahr in ihrer Neujahrsansprache die Dänen südlich der Grenze – doch diesmal stand am 31. Dezember auch die deutsche Minderheit in Nordschleswig endlich wieder im Redepapier der Regentin.

Der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, bezeichnete es nachfolgend als „Schulterklopfer" und eine Anerkennung für die Arbeit, die Vertreter und Mitglieder der deutschen Minderheit über Jahrzehnte für das Zusammenleben im deutsch-dänischen Grenzland geleistet hätten – und immer noch leisten.

Am Tag nach der Ansprache der Königin gab es sogar noch einen obendrauf von Staatsministerin und Regierungschefin Mette Frederiksen (Soz.). Auch sie erwähnte die beiden Minderheiten: Es gebe jetzt Respekt, und es sei Platz im Herzen für die deutsche und die dänische Minderheit auf beiden Seiten der Grenze.

Ich weiß nicht, wie die dänische Minderheit es jedes Jahr wahrnimmt, wenn sie von der Königin gegrüßt wird, aber als Mitglied der deutschen Minderheit bin ich stets gerührt, wenn „wir mal dran sind". Vielleicht weil die deutsche Minderheit nicht jedes Jahr begrüßt wird, sondern nur bei besonderen Anlässen: jetzt zum Beispiel in Verbindung mit 2020 und zuletzt 2014, als des Krieges von 1864 zum 150. Mal gedacht und die Rolle der Minderheiten im Grenzland gewürdigt wurde.

Die eigentliche Anerkennung der deutschen Minderheit vom dänischen Königshaus liegt allerdings noch weiter zurück, nämlich 1986, als Königin Margrethe der deutschen Minderheit erstmals einen offiziellen königlichen Besuch abstattete. Bis heute ist dies – gemeinsam mit der Düppel-Rede von Hans Heinrich Hansen 1995 – einer der absoluten Höhepunkte in der Geschichte der deutschen Minderheit in Nordschleswig. 2008 besuchten schließlich auch Kronprinz Frederik und Kronprinzessin Mary die Minderheit in Nordschleswig.

Eigentlich stünde bald wieder ein hoher offizieller Besuch ins Haus. Denn obwohl das Selbstvertrauen und das Selbstverständnis der deutschen Minderheit über die vergangenen Jahre gewachsen sind: Königlicher Lob zur besten Sendezeit oder gar ein Besuch in Nordschleswig geht immer noch runter wie Öl.

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Standpunkt

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
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