Leitartikel

Intelligenz und das Gesundheitswesen

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Die Politiker wollen vieles mit dem dänischen Gesundheitswesen – hoffentlich vergessen sie dabei nicht die Patienten, meint Peter Lassen.

Die Politiker wollen vieles mit dem dänischen Gesundheitswesen – hoffentlich vergessen sie dabei nicht die Patienten, meint Peter Lassen.

Chefgenossin Mette Frederiksen forderte auf der Generalversammlung des Verbandes der dänischen Regionen eine intelligentere Leitung der Krankenhäuser. Was das ist, weiß sie hoffentlich selbst.

Die Regionen wollen sich nicht weiter von Jahr zu Jahr Produktivitätsforderungen aus Kopenhagen beugen. Man will wieder mehr Freiheit, um die Ressourcen so einzusetzen, dass dies Sinn macht. Was das bedeutet, wissen die Regionen hoffentlich selbst.

Staatsminister und Ex-Gesundheitsminister Lars Løkke Rasmussen (V) meint, dass in den Krankenhäusern noch viel verbessert werden und effektiver gemacht werden könnte.
Wo, das weiß hoffentlich nicht nur der Staatsminister.

Unterm Strich bleibt bei diesem politischen Getöne, dass es in den dänischen Krankenhäusern offenbar viel Stress gibt. Das Personal fühlt sich unter Druck gesetzt – und da hapert es dann so manches Mal mit der internen und externen Kommunikation. Es passieren Fehler. Was das bedeutet, das wissen auf jeden Fall die Patienten aus schmerzlicher Erfahrung.

Seit 2000 hat es die Produktivitätsforderung des Staates an die von den Regionen betriebenen Hospitäler gegeben. Bis 2006 war die Vorgabe 1,5 Prozent mehr pro Jahr – seit 2007 2 Prozent mehr. Seither sind die Wartelisten kräftig abgebaut worden. Es sind aber auch immer wieder weitere Milliarden bewilligt worden für neue Ziele und Behandlungen. Die Region Süddänemark hat schon beschlossen, dass man in auserwählten Krankenhausabteilungen die Produktivitätsvorgabe lockern will und hofft dabei u. a. auf eine bessere Behandlung und größere Motivation bei den Mitarbeitern. Der sozialdemokratische Chef der Regionen, Bent Hansen, tönte auf der Generalversammlung seines Verbandes in Aarhus im Zuge der Freiheitforderung der Regionen laut: „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst! Unsere Botschaft an die Regierung ist klar: Lass uns danach steuern, was Nutzen bringt, und ermessen, was Sinn macht.“ Was Nutzen bringt und Sinn macht? Man muss doch wahrlich hoffen, dass man dies in den vergangenen mehr als 15 Jahren dies nicht außer Acht gelassen hat.

Um zurückzukommen zu Chefgenossin Frederiksen und ihrer Forderung nach intelligenterer Leitung in den Krankenhäusern: Diese Forderung sollte man auch an die Politiker aller Ebenen stellen. In diesem ganzen Spiel sind die Patienten die Schwachen und geraten immer wieder in die Klemme zwischen Christiansborg, Regionen, Kommunen und Gesundheitspersonal. Alles Instanzen, die ja eigentlich dafür da sind, den Patienten zu dienen und diese nicht nur als Rohstoff oder Versuchskanichen zu betrachten im Streben nach neuen zentralistischen Strukturen und super-spezialisierten Behandlungsformen.
Es erfordert nicht viel Intelligenz zu erkennen, dass immer mehr nicht die Devise sein darf, wenn man – um es nochmals zu sagen – Gefahr läuft, dass die Basis-Pflege und Geborgenheit der Patienten auf der Strecke bleiben. Mit oder ohne zentraler Produktivitätsvorgabe.

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