Leitartikel

Hut ab vor den Pfadfindern

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Kim Holm

Gwyn Nissen ist überzeugt: Wenn es mehr Pfadfinder gäbe, hätten wir eine bessere, saubere und friedlichere Welt. Ihm zufolge gehören Verantwortungsbewusstsein und Respekt vor anderen Menschen und deren Eigentum zu den Tugenden der Pfadfinder.

Mal ganz ehrlich. Wer bekam in der Schulzeit mehr Aufmerksamkeit: Die gute Handballerin, der Torschützenkönig der Fußballer oder der Pfadfinder der Klasse? Ich denke, wir alle kennen die Antwort. Die Pfadfinder in ihren Uniformen und Tuch um den Hals wurden eher belächelt. Allein das tolle Messer sorgte bei den anderen Jungs für Neid. Mit den Jahren haben die meisten sicherlich ein nuancierteres Bild der Pfadfinder bekommen – obwohl einige Vorurteile über die angeblichen Freilufts-Nerds noch hängengeblieben sind.

Spätestens aber nach der vergangenen Woche sehen die meisten Nordschleswiger die Pfadfinder mit neuen Augen: 37.000 Pfadfinder und ihre Helfer waren acht Tage lang in Sonderburg und prägten das Erscheinungsbild der Alsenmetropole in positiver Richtung. Sie waren überall zu sehen – weit vom riesigen Lager entfernt, doch es beschwerte sich niemand über das Wetter oder die langen Fußmärsche.

Diebstähle, Schlägereien, Alkoholvergiftungen und Verwüstung sind die negativen Nebenerscheinungen, die wir von anderen Festivals kennen. Davon gab es während des Pfadfinderlagers auf der Halbinsel Kär keine Spur. Im Gegenteil. Zwei Fotos machten in den vergangenen Tagen die Runde in den sozialen Netzwerken und Medien: Ein verwüsteter Zeltplatz nach dem Roskilde-Festival (der erst in einigen Monaten ganz aufgeräumt sein wird) und picco bello saubere Felder bereits wenige Tage nach Verlassen des Lagers, die von den Pfadfindern selbst aufgeräumt worden waren.

Verantwortungsbewusstsein sowie Respekt vor anderen Menschen und dem Eigentum anderer waren schon immer Tugenden der Pfadfinder-Bewegung. Hinzu kommt der Einklang mit der Natur und die Sorge um unsere Ressourcen. Pfadfinder sind in allen Belangen ordentliche und respektvolle Menschen, und wer sie in der vergangenen Woche bei verschiedenen Aktivitäten erlebte, konnte feststellen, dass sie bei Weitem keine langweiligen Nerds sind.
Hut ab vor den Pfadfindern und deren Einstellung zum Leben und zu unserer Erde. Große Worte, ja, aber ich bin überzeugt: wenn es mehr Pfadfinder gäbe, hätten wir eine bessere, saubere und friedlichere Welt.

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