Leitartikel

Hast du dich heute schon bei einem Politiker bedankt?

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Priscilla Du Preez / Unsplash

Politiker werden, vor allem in sozialen Medien und den Kommentarfeldern von Nachrichtenseiten, immer wieder übel beschimpft. Doch die wenigsten Politiker haben einen übertriebenen Machtbedarf oder sind des Geldes wegen politisch aktiv, meint Gwyn Nissen.

Christian Borrisholt Steen ist Mitglied des Ethischen Rates. Er hat am Mittwoch die Leser von Kristeligt Dagblad dazu aufgefordert, sich bei ihren Politikern zu bedanken: „Wir sollten uns darüber freuen, dass es Leute gibt, die sich aus dem Sofa bewegen wollen, um einen politischen Einsatz zu leisten“, schreibt er.

Auf der Webseite von Kristeligt Dagblad gibt es dazu noch keine Kommentare – kann man als allgemeine Zustimmung lesen. Hätte Christian Borrisholt Steen seine Gedanken auf Facebook oder in Ekstra Bladet gepostet, wären die gehässigen Gegenreaktionen sicherlich postwendend zurück gekommen.

Die Vorsitzende der Sozialdemokraten, Mette Frederiksen, wurde nicht nur beglückwünscht, als sie ihre Verlobung veröffentlichte, und Johanne Schmidt Nielsen von der Einheitsliste wurde auch aufs Ärgste beschimpft, als sie über Mutterfreuden erzählte. „Nehmt eure Politiker in die Arme“ (Kram en politiker), schreibt Steen, „denn sie müssen vieles über sich ergehen lassen.“

Das gilt auch für unsere Stadtrats- und Regionspolitiker, die in wenigen Wochen ihre Arbeit in den Kommunen und Regionen aufnehmen werden. Auch sie müssen in ihrer täglichen politischen Arbeit mit Beschimpfungen rechnen. Es ist aber (zu) leicht, mit dem Finger auf Politiker zu zeigen, wenn man selbst nur eigene Interessen verfolgt und keine Verantwortung für die öffentlichen Finanzen oder die Gesamtheit hat.

Ich denke, die wenigsten Politiker haben einen Machtbedarf oder sind des Geldes wegen politisch aktiv. Der Stundenlohn ist eher gering und die Beispiele, wie einige Politiker für wenige Treffen Tausende von Kronen absahnen, sind Ausnahmen – werden aber gern als Beispiel hervorgezogen, um alle Politiker zu diskreditieren.

Ich denke, die Meisten sind Lokalpolitiker aus Überzeugung, und weil sie verantwortungsbewusste Mitbürger sind. Ich wünsche unseren Politikern viel Spaß in der kommenden Wahlperiode und gutes Gelingen – vor allem bei den schwierigen Entscheidungen.

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