Leitartikel

Gschschuundheit

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade
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Foto: dpa

Wenn es um Alkoholkonsum unter Jugendlichen geht, dann ist Dänemark Spitzenreiter. Die Erwachsenen machen es den Jugendlichen vor und sind deshalb die Schuldigen, meint Gwyn Nissen.

Dänemark hat es wieder einmal an die Spitze einer Studie geschafft. Leider, denn die jungen Dänen haben ihre Position als die Spitzen-Trinker Europas behauptet. Schuld daran sind die Erwachsenen – als Vorbilder und Gesetzgeber.

Die dänischen Jugendlichen trinken öfter und sie trinken mehr als junge Leute in anderen Ländern Europas. Um nur einige Zahlen zu nennen:
Der Anteil an 15-16-Jährigen in Dänemark, die  innerhalb des letzten Monats mindestens einmal betrunken waren, liegt bei  30 Prozent. Der Durchschnitt in Europa lautet zehn Prozent – im Norden sogar noch geringer. In der Studie wurden die Jugendlichen auch befragt, wie viele Einheiten (genstande) sie beim letzten Mal getrunken hätten: Mit fast neun Getränken liegen sie etwa 70 Prozent höher als andere Jugendliche in Skandinavien.

Und bald ist es wieder soweit: Es wird Sommer und die jungen Leute  zieht es in die Parks und an die Strände – mit Six-Packs, Alkopops und Weinflaschen. Kopfschütteln nützt nichts, denn die Erwachsenen machen es ihnen vor. Die „Jugend von heute“ ist nur das Spiegelbild einer Gesellschaft, in der Alkohol beim „hygge“ eine wichtige Rolle spielt.

Außerdem sieht eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO  eine direkte Verbindung zwischen dem Alkoholkonsum und der Möglichkeit, sich alkoholische Getränke zu verschaffen. Unsere nordischen Nachbarn machen es uns vor und erhalten in der Studie zwischen 70 und 93 von 100 möglichen Punkten. Der europäische Durchschnitt  liegt bei 64 Punkten und Dänemark schafft es gerade noch auf sechs (!) Punkte. Heißt: In Dänemark kommen Jugendliche ohne Schwierigkeiten an Alkohol ran.

Die Gesetzgeber im Folketing wollen daran nichts ändern: Man wolle keine strengeren Regeln einführen, sondern die Freiheit zu eigenen Entscheidungen bewahren, sagt der sozialdemokratische Gesundheitssprecher Flemming Møller Christensen. Wir tun den Jugendlichen dabei aber keinen Gefallen – im Gegenteil. Manchmal muss man eben zu seinem Glück gezwungen werden und eine höhere Altersgrenze wäre endlich ein klares Signal an alle Eltern, dass Alkohol eben nichts für Kinder ist – und dass 14- oder 15-Jährige eben keine jungen Erwachsenen sind.

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