Leitartikel

„Fuß vom Gas“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Foto: dpa (Symbolfoto)

Zehnjährige sollten einfach nur spielen, unbekümmert durch die Welt laufen und davon Träumen, was sie mal werden wollen. Aber diese heile Welt nimmt ihnen die heutige Gesellschaft mit ihren Forderungen und Vorstellungen, dass Kinder schon von klein an was leisten müssen, meint Chefredakteur Gwy Nissen.

Immer mehr Kinder rufen beim Kinder-Telefon (BørneTelefonen) an. Dabei geht es leider nicht nur um die kleinen Sorgen, sondern um Selbstmordgedanken. In den letzten fünf Jahren kamen über 10.000 Anrufe von Suizidgefährdeten Kindern und Jugendlichen.

In einem der glücklichsten Länder der Erde sind das erschreckende Zahlen. Und es gibt leider noch mehr Grund zur Sorge: Die Anzahl der Zehn- bis Zwölfjährigen, die Selbstmordgedanken haben, hat sich in der Zeit verdoppelt.

Zehnjährige sollten einfach nur spielen, unbekümmert durch die Welt laufen und davon Träumen, was sie mal werden wollen.

Aber diese heile Welt nimmt ihnen die heutige Gesellschaft mit ihren Forderungen und Vorstellungen, dass Kinder schon von klein an was leisten müssen. Stimmt, das gehört auch dazu, aber eben nicht nur. Daher: Fuß vom Gas. Wir müssen in unserer Gesellschaft eine Debatte darüber haben, sagt Rasmus Kjeldahl, Direktor der Kinderhilfe „Børns Vilkår“. Die Kinder stehen immer früher unter massivem Druck: sie müssen die richtige Kleidung tragen, die richtigen Freunde haben, das richtige Telefon besitzen und die richtigen Noten erreichen, um im Leben nach vorn zu kommen und akzeptiert zu werden. Das perfekte Leben leben.

Das ist keine Welt, die die Kinder selbst erfunden haben. Es ist eine Welt, die wir Erwachsenen ihnen vormachen und die sie nachahmen. Deshalb sind die Erwachsenen auch die Lösung für eine stressfreie Kindheit ohne Angst, Isolation und Einsamkeit. Vor allem aber ohne Selbstmordgedanken.

Immerhin ein kleiner Lichtblick: Die Suizidrate ist in Dänemark seit 1990 halbiert und im Vergleich zu anderen OECD-Ländern liegt Dänemark im besseren Drittel. Außerdem beenden jährlich nur zwei bis drei Kinder unter 15 Jahren ihr eigenes Leben. Dennoch sind es zwei, drei zu viel. Und schließlich: Die Kinder scheinen die Hilfsangebote wie zum Beispiel BørneTelefonen zu nutzen.

Aber geben wir doch unseren Kindern und der Jugend wieder ihre Freiheit, indem sie sich nicht mit solchen Gedanken herumschlagen. Fuß vom Gas – unserer Kinder wegen.

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