Leitartikel

Ein Foto, das Leben retten kann

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Keine Chance etwas zu sehen Foto: EHL

Ein LKW-Fahrer sieht in den Rückspiegel, sieht nichts und macht davon ein Foto. Ein Bild, das zum Nachdenken anregt, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Erik Hjorth Larsen ist Lkw-Fahrer in einem Kopenhagener Unternehmen. Es war kein gutes Foto, das er mit seinem Leserbrief an die Redaktion von Politiken schickte, aber dennoch wird mir genau dieses Foto für immer in Erinnerung bleiben – und hoffentlich auch anderen. Denn das Foto kann Leben retten.

Erik Hjorth Larsens Aufnahme aus dem Fenster seines Lastwagens zeigt den Außenspiegel des Lkws. Dort, wo er einen Radfahrer sehen sollte, sind nur die blendenden Strahlen der niedrigstehenden Sonne zu sehen. Mit diesem Foto (googeln: „chauffør debat Politiken“) möchte der Lkw-Fahrer auf die Gefahren im Verkehr aufmerksam machen.

Seine Pointe ist: Egal wie sehr er als Lkw-Fahrer auf die übrigen Verkehrsteilnehmer aufpasst, wird es Situationen geben, in denen er nicht mehr tun kann, und wo er und seine Kollegen darauf angewiesen sind, dass auch andere Verkehrsteilnehmer sich darüber bewusst sind, dass etwas schief gehen kann.

Lastwagenfahrer stehen oft in der Kritik, wobei eine ganze Berufsgruppe oft an den Pranger gestellt wird, obwohl es sich um Einzelfälle handelt. Landwirte, Journalisten, Gebrauchtwarenhändler und andere kennen das nur allzu gut.

Aber es gibt keinen Trucker, der sich in den Verkehr begibt, um absichtlich Menschen zu schaden. Im Gegenteil: Lkw-Fahrer haben eine Ausbildung, wissen um die Gefahren ihres Fahrzeugs und Handelns. Fußgänger und Radfahrer dagegen sind ohne Ausbildung im Verkehr unterwegs, und man braucht nur wenige Minuten lang an der Kreuzung einer mittelgroßen Provinzstadt zu stehen, um zu sehen, mit welchem Leichtsinn einige Leute sich auf den Straßen bewegen: waghalsige Abkürzungen, Handy nutzende Radfahrer, bei Rot über die Kreuzung. Das ist Alltag. Und eben auch, dass man in der Kreuzung rechts am Lastwagen vorbeifährt. Das ist lebensgefährlich, selbst neben dem best ausgebildeten Lkw-Fahrer – und es zerstört mehr als das Leben des Opfers.

Bis vor zehn Jahren gab es in Dänemark jede Woche einen Unfall mit rechtsabbiegenden Lkw. Dabei kamen jährlich um die zehn Personen ums Leben. Erik Hjorth Larsen hofft, dass zumindest einer seinen Leserbrief liest und die Gewohnheiten im Verkehr ändert. Mit gegenseitigem Respekt und Umsicht kann man nämlich gut leben.

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