Leitartikel

Festival-Freiwild

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Apenrade/Aabenraa
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Volles Haus beim Roskilde Festival Foto: Scanpix

Die Festivals des Sommers haben auch eine Kehrseite: Frauen sind Festival-Freiwild geworden. Wer ein "Nein" nicht versteht und Frauen nicht respektiert, der sollte angezeigt werden, meint Gwyn Nissen.

Die Festivals des Sommers haben auch eine Kehrseite: Frauen sind Festival-Freiwild geworden. Wer ein "Nein" nicht versteht und Frauen nicht respektiert, der sollte angezeigt werden, meint Gwyn Nissen.

In diesen Monaten jagt ein Musikfestival das nächste. Drei-vier Tage lang wird mit Freunden durch gefeiert, mitgesungen und Bier getrunken. Doch die Musikfeste im Lande haben auch eine Kehrseite: Frauen sind Festival-Freiwild geworden und das langjährige Problem nimmt nicht wirklich ab.

Beim Roskilde Festival gab es in diesem Jahr sechs Anzeigen wegen Vergewaltigung. Hinzu kommen Anzeigen wegen sexueller Belästigungen, und darüber hinaus gibt es noch eine riesige Dunkelziffer, denn viele Frauen erstatten trotz dieser ekligen Übergriffe keine Anzeige. Es dreht sich dabei um Männer die Frauen an den Hintern fassen, die Busen begrabschen oder zwischen die Beine greifen.

Beim Roskilde Festival sind 130.000 Menschen in Feierlaune und auch bei anderen Festivals kommen Zehntausende zusammen. Natürlich passiert dabei einiges, wenn sich so viele Menschen wie in einer großen dänischen Provinzstadt tagelang zum feiern versammeln und es zwischen Mädchen und Jungs funkt. Doch auch wenn der Alkohol fließt und bei einigen Männern scheinbar den Hauptschalter der Vernunft ausschaltet, ist dieser Trend der sexuellen Belästigung abartig und in keinster Weise akzeptabel.

Die Zeitung Politiken hat in einer umfangreichen Serie zum diesjährigen Roskilde Festival das Problem dargestellt und die Leidensgeschichten vieler Frauen erzählt. Pflichtlektüre für Männer, die glauben, sich alles erlauben zu können und Frauen beim Festival als Freiwild betrachten. Aber eben nicht nur bei Festivals. Roskilde-Sprecherin Christina Bilde trifft es auf den Punkt, wenn sie sagt, dass sechs Vergewaltigungen zu viele sind, aber dass sexuelle Belästigungen und Übergriffe auch aus dem Täglichen bei Feiern und Veranstaltungen bekannt seien. Es sei kein isoliertes Roskilde-Problem.

Sie hat recht. Es ist leider ein gesellschaftliches Problem, dass einige Männer immer noch jeglichen Anstand vermissen lassen und „aus Spaß“ nicht nur die moralische, sondern auch kriminelle Grenze überschreiten. Darauf gibt es nur eine Antwort: Anzeigen. Wer ein „Nein“ nicht versteht und Frauen nicht respektiert, hat einen Denkzettel verdient. Dann lernen hoffentlich auch andere Männer, ihre Hände bei sich zu behalten.

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