Leitartikel

„Fehmarn und die Folgen“

„Fehmarn und die Folgen“

„Fehmarn und die Folgen“

Apenrade/Aabenraa
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Durch die nordschleswigsche Brille gesehen, blicken viele mit Skepsis in die Fehmarnregion, denn dort entsteht eine neue grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die mehr politische Aufmerksamkeit bekommen wird, als wir es in der deutsch-dänischen Grenzregion jemals bekommen haben, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

2028 soll die feste Verbindung unter dem Fehmarn Belt fertiggestellt sein. Das ist zwar noch eine Weile hin, aber auf beiden Seiten des Tunnels (in Dänemark im täglichen Sprachgebrauch oft nur als „Fehmarn“ bezeichnet) gibt es noch jede Menge Aufgaben, die erledigt werden müssen. Und es eilt.

Darauf machten am Freitag drei Bürgermeister in einem Leserbrief in der dänischen Wirtschaftszeitung „Børsen“ aufmerksam: Frank Jensen, Oberbürgermeister in Kopenhagen, Katrin Stjernfeldt Jammeh, Bürgermeisterin in Malmö und Peter Tschentscher, Bürgermeister in Hamburg, fordern in dem Brief die Landespolitiker in Dänemark, Schweden und Deutschland dazu auf, jetzt schon die richtigen (und wichtigen) Entscheidungen zu treffen.
Durch die nordschleswigsche Brille gesehen, blicken viele mit Skepsis in die Fehmarnregion, denn mit elf Millionen Einwohnern auf der Linie Malmö-Kopenhagen-Hamburg entsteht gerade eine neue grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die mehr politische Aufmerksamkeit bekommen wird, als wir es in der deutsch-dänischen Grenzregion an der Landesgrenze jemals bekommen haben – und bekommen werden.

Dessen ungeachtet ergibt es keinen Sinn, dass es vor und nach einem modernen Fehmarntunnel auf dem „Trampelpfad“ weitergeht – sei es auf Straßen oder Schienen. Zur neuen Verbindung gehören auch notwendige Investitionen im Hinterland: ein Ausbau der Schienen auf schwedischer Seite zum Beispiel, bessere und neue Zugverbindungen zwischen Dänemark und Schweden als Entlastung für den Kopenhagener Hauptbahnhof oder gar eine Verknüpfung der Metrosysteme in Malmö und Kopenhagen. Der Aufruf der drei Bürgermeister kommt nicht zu einem zufälligen Zeitpunkt: Die jetzige bürgerliche Regierung Dänemarks hat gerade einen Infrastrukturplan über 110 Milliarden Kronen vorgelegt – aber darin sind keine weiteren Fehmarn-Folge-Investitionen enthalten.

Dabei sind 9,10 Jahre eine kurze Zeit, um Projekte zu planen und durchzuführen – auch wenn die Planung in Dänemark in der Regel Vollgas gibt. Wenn vorher nichts passiert, dann endet – so die Bürgermeister – die Fehmarnbeltverbindung als Flaschenhals. Und das wünschen nicht einmal kritische Nordschleswiger dem neuen deutsch-dänischen Grenzgebiet. Daher müssen die verkehrsmäßigen Konsequenzen der neuen Verbindung auch in einem größeren Zusammenhang betrachtet werden – und nicht nur mit einem Tunnelblick.

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