Leitartikel

Der Fall Holst und der Deutsche Tag

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Carl Holst. Foto: Scanpix

Der „Fall Holst“ wird nun zu den Akten gelegt. Es gibt, um es mit SP-Regionsspitze Gösta Toft zu halten, wahrlich genug andere Probleme, als weiter auf Holst einzudreschen, meint Peter Lassen.

Der Geschäftsausschuss des Regionsrats in Süddänemark hat einstimmig beschlossen, keine weiteren juristischen Schritte gegen seinen ehemaligen Vorsitzenden Carl Holst zu unternehmen. Es werden auch keine Schadenersatzforderungen gegenüber Holst erhoben, der 2015 nach seiner Wahl ins Folketing als Verteidigungsminister wegen der Vorwürfe, einen Mitarbeiter der Region als Wahlkampfhelfer eingesetzt zu haben, zurückgetreten war.
Die Staatsverwaltung in Apenrade hatte dies vorab moniert, und die Ex-Kollegen im Regionsrat schritten im November 2015 zur Anzeige und ließen auch selbst weiter ermitteln im sogenannten „Fall Holst“.

Obwohl die Polizei Ende März nach anderthalb Jahren die Ermittlungen einstellte – und obwohl der Reichsanwalt im Namen der Anklagebehörde erklärte, dass kein Strafverfahren eingeleitet werden würde – ließen die Regionspolitiker nicht locker.

Nun scheint aber endlich Schluss zu sein, und man darf getrost feststellen, dass der ganze Verlauf einen faden Geschmack hinterlässt. Holst mag nach 15 Jahren als Amtsbürgermeister und Regionsvorsitzender so manchem auf den Fuß getreten haben, aber ob er und seine Familie verdient haben, wie da vorab geurteilt, teilweise anonym nachgetreten und vertrauliches Material geleckt wurde, ist eine Frage, die sich die Politiker im Roten Wurm – aber auch die Wähler – stellen müssen. Wer am 21. November sein Kreuz machen will, sollte an das Motto denken: Neue Besen kehren gut oder gar besser.

Denn es ist bestimmt kein Ruhmesblatt in der relativ kurzen Geschichte der Region, das man nun hoffentlich ganz zu den Akten legt. Es gibt, um es mit SP-Regionsspitze Gösta Toft zu halten, wahrlich genug andere Probleme, als weiter auf Holst einzudreschen. Akteneinsicht hat ja auch gezeigt, dass Holst so oder so wahrlich nicht der Einzige war, der auf Regionskosten unterwegs war oder sich hat weiterbilden lassen etc.

Man muss zudem davon ausgehen, dass die zuständigen Ermittler in der Zentrale der Sydøstjyllands Politi in Horsens alles untersucht haben – zumal sie sich offenbar auch dafür interessierten, ob eine Holst-Rede beim Deutschen Tag in Tingleff relevant sei für einen Vorsitzenden der Region Süddänemark.

Das sagt etwas über die detaillierten Ermittlungen – aber auch etwas darüber, dass so mancher wohl nicht ganz im Bilde darüber ist, welchen Spielraum man einem trotz allem grenzüberschreitenden Regionsvorsitzenden einräumen sollte …

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