Leitartikel

„Fairness kontra Dumping“

Fairness kontra Dumping

Fairness kontra Dumping

Nordschleswig/Sønderjylland
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Durch die politischen Maßnahmen gegen Dumping im Transportbereich steigen die Kosten – und somit die Verbraucherpreise. Doch das ist nur fair, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Eine große Mehrheit im dänischen Folketing nimmt nun den Kampf auf gegen Dumpinglöhne auf dem Transportmarkt. Dort sitzen seit Jahren ausländische Lkw-Fahrer am Steuer und lösen Transportaufgaben auf dänischem Grund. Ganz legal nach den EU-Cabotageregeln – aber diese werden von einigen dänischen und ausländischen Fuhrunternehmen missbraucht.

Daher haben die Politiker auf Christiansborg beschlossen, dass Transporte in Dänemark in Zukunft mit einem dänischen Lohn abgerechnet werden müssen. Das führt zwar zu einer wesentlichen Verteuerung der Transportaufgaben, doch die Milliarden-Rechnung wird weitergereicht – zunächst an Spediteure, dann an die Unternehmen, und schließlich landen sie beim Verbraucher.

Was bekommen wir dafür? Die Gewissheit, dass Lkw-Fahrer, die in Dänemark arbeiten, einen vernünftigen Lohn bekommen. Das sind wir ihnen auf der einen Seite schuldig, auf der anderen aber auch der heimischen Transportbranche, die heute gegen Billigtarife aus Osteuropa nicht ankommt.

Die Versuchung, mit billiger Arbeitskraft schnelles Geld zu verdienen – beziehungsweise Kosten zu sparen – ist in Dänemark groß, zumal die Löhne und Gehälter dänischer Arbeitnehmer vergleichsweise hoch sind. Die Verlockung wird nicht geringer, wenn der politische Beschluss jetzt die Preise im Transportgewerbe nochmals erhöht. Doch, und das ist entscheidend dafür, ob dieses Modell Bestand haben kann, auch die Kontrollen werden verschärft.

Der Transportbereich ist nicht die einzige Branche, die mit Dumpinglöhnen zu kämpfen hat. Auch auf dem Bau gibt es Probleme. Die Polizei in Kopenhagen berichtet, das jeden Tag zwei bis drei ausländische Arbeitskräfte des Landes verwiesen werden müssen, und bei Stichprobenkontrollen auf dem Baugelände laufen den Beamten jedes Mal ausländische Handwerker davon, weil ihre Papiere nicht in Ordnung sind.

Das Argument, dass die ausländischen Handwerker und Lkw-Fahrer hier nicht wohnen – oder nur in Camping- und Lastwagen – und das Geld sowieso nach Hause an die Familie schicken, ist fehl am Platze. Wer in Dänemark arbeitet, soll auch ein dänisches Gehalt beziehen, damit er hier leben kann – und damit es keine Wettbewerbsverzerrung gibt. Das ist nur fair.

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