Leitartikel

Exit Carl Holst

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Carl Holst
Carl Holst (links) im Gespräch mit Lars Løkke Rasmussen. Foto: Liselotte Sabroe/Ritzau Scanpix

Mitleid sei nicht angebracht, sagt Chefredakteur Gwyn Nissen über den Abgang Carl Holsts. Doch Anerkennung für seinen politischen Einsatz für Nordschleswig gebühre ihm. Und an einen dauerhaften Abschied glaubt Nissen ohnehin nicht so ganz: Mit 48 Jahren sei Holst kaum fertig auf der politischen Bühne...

Carl Holst – einst ungekrönter politischer König von Nordschleswig und Süddänemark – steigt aus der Politik aus. Es war in Süddänemark eine der ganz großen Fragen vor der nächsten Folketingswahl, die Holst jetzt mit seinem Rückzug beantwortet hat. Exit Holst – damit endet eine fast märchenhafte politische Karriere in einer Tragödie.

Viele hatten darüber spekuliert, ob Holst noch einmal kandidieren würde, nachdem sein Wechsel von der Regional- in die Landespolitik derart missglückte. Jahrelang wurde immer wieder darüber spekuliert, dass Carl Holst einen Ministerposten übernehmen würde – und nach seiner Wahl ins Folketing im Juni 2015 war es endlich so weit. Das Verteidigungsministerium war sicherlich kein Wunschamt von Holst, aber die steile Karriere binnen weniger Monate vom Folketingskandidaten zum Minister bekam Holst wohl.

Was er damals noch nicht wusste: Es war auch der Anfang seines Abstiegs und Ausstiegs aus der Politik. Was die Krönung seiner Karriere hätte sein sollen, endete mit der Wohl größten Enttäuschung im Leben des Nordschleswigers: Der Fall Holst begann mit Fehleinschätzungen als Minister, wurde durch seine (nach den geltenden Regeln berechtigte) Abfindung beschleunigt und als es um Amtsmissbrauch ging (der ihm nicht nachgewiesen werden konnte), trat Holst bereits nach 93 Tagen als Minister zurück.

Er bereue nichts, sagte er im Interview mit Avisen Danmark. Dafür bekommt er in den sozialen Plattformen (natürlich) weitere Hiebe – so wie es seit drei Jahren gang und gäbe ist, wenn auf Facebook und Co. der Name Holst fällt.

Am Politiker Carl Holst scheiden sich die Geister, doch inzwischen ist seine Anhängerschar gewaltig geschrumpft und auch die Nähe zu Regierungschef Lars Løkke Rasmussen hilft ihm nicht mehr.

Carl Holst stand an einem Scheideweg und die, die geunkt haben, er könne nichts anderes als Politik (denn das Handwerk kann er) straft er jetzt lügen: Tritt aus der Politik aus, um einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen.

Dem Menschen Carl Holst wird es sicherlich gut tun, aus dem Rampenlicht zu kommen, denn die Beschuldigungen und die Hetze der letzten drei Jahre sind auch an ihm nicht spurlos vorbei gegangen.

Politiker müssen so einiges ertragen und sie müssen für ihre Taten gerade stehen (manchmal sogar auch für Dinge, die sie nicht getan haben). Aber es gibt eben auch eine Grenze und an der ist Holst angelangt.

Mitleid mit Holst ist an dieser Stelle nicht angebracht, denn „König Carl“ hat mit seiner Art selbst dazu beigetragen, dass er in die Schusslinie geraten ist. Aber es gebührt auch dem Röddinger Anerkennung für seine jahrzehntelange politische Arbeit in Nordschleswig – darunter in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

Die Politik kommt auch ohne Carl Holst klar – niemand ist unentbehrlich – aber man darf gespannt sein, wo Holst in Zukunft seine Fähigkeiten einsetzen wird. Allerdings sollte man auch nicht überrascht sein, wenn es irgendwann ein Comeback geben wird. In einigen Jahren, wenn Gras über den „Fall Holst“ gewachsen ist und wenn es Carl Holst selbst wieder in die Manege zieht. Mit 48 Jahren ist er kaum fertig auf der politischen Bühne – auch wenn ihm jetzt gerade nicht mehr danach ist.

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