Leitartikel

„Erfrischend vielschichtig“

Erfrischend vielschichtig

Erfrischend vielschichtig

Apenrade/Aabenraa
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„Nordschleswiger"-Journalist Helge Möller hat die Podiumsdiskussion am Donnerstagnachmittag auf Schloss Schackenborg miterlebt – und festgestellt, wie ganz verschiedene Sichtweisen helfen, sich selbst zu verorten.

Podiumsdiskussionen sind dann erfrischend und lehrreich, wenn ganz unterschiedliche Menschen auf diesem Podium Platz nehmen, wenn unterschiedliche Charaktere ihre unterschiedlichen Ansichten und Sichtweisen vertreten – und das in unterschiedlichen Geschlechtern.

All dies ist den Veranstaltern der Podiumsdiskussion „Deutsch-dänische Herausforderungen – in europäischer Perspektive" gelungen, wobei das Geschlechterverhältnis nicht ganz ausgeglichen war.

Dass die Veranstalter es geschafft haben, Experten dieser Qualität auf Schloss Schackenborg zu holen, ist bemerkenswert. Und das war für den Landesteil sicherlich nicht von Nachteil – und für die Zuschauer ebensowenig.

Sie erhielten einen Einblick in die divergierenden Wahrnehmungen, Erfahrungen und Sichtweisen der Experten. Dabei stand ganz klar im Mittelpunkt: die bevorstehende Bundestagswahl. Spannend war dabei gar nicht die Frage, welcher der drei Kandidaten Kanzlerin beziehungsweise Kanzler wird, sondern zum einen die Analysen der vergangenen 16 Jahre Merkel und zum anderen die Erwartung des Auslandes inklusive Dänemarks an Deutschland.

Eine Bundestagswahl ist zunächst eine interne Angelegenheit, aber die Podiumsdiskussion machte klar, dass diese auch im Ausland beachtet wird und viel wichtiger, dass dieses Ausland Erwartungen an Deutschland hat. Altbundeskanzler Helmut Kohl, so lernten die Zuschauer, riet immer, Deutschland müsse auf die kleinen EU-Länder hören. Aber nicht nur das: Deutschland sollte auch von kleinen EU-Ländern lernen. „Taz“-Redakteurin Barbara Oertel beklagte eine gewisse deutsche Vermessenheit und erwähnte das kleine Estland, das ihrer Ansicht nach zeigt, wie Digitalisierung geht.

Wobei Dänemark sich in dieser Sache wohl kaum verstecken muss. Ganz im Gegenteil.

So gibt es sicher vieles, was Deutschland nicht erfinden muss, sondern von anderen EU-Staaten lernen kann. Wichtig ist die Fähigkeit der deutschen Politik, dies zu erkennen und lernen zu wollen. Aber auch, dass es Strukturen gibt, die dieses Lernen von anderen ermöglichen. Wie auch auf der Veranstaltung zur Sprache kam, Minderheiten, aber auch Bundesländer können dabei Brückenbauer sein, die einen Kanal zu einer künftigen Bundesregierung herstellen können, wenn diese vom Nachbarn lernen will.

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