Leitartikel

„Endlich ein nachhaltiger Plan“

Endlich ein nachhaltiger Plan

Endlich ein nachhaltiger Plan

Apenrade/Aabenraa
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Cornelius von Tiedemann freut sich darüber, dass die Region Süddänemark den Psychiatrien mehr Geld, mehr Personal und einen Zukunftsplan zukommen lässt, der Hand und Fuß hat. Wenn jetzt bloß nicht wieder der Rotstift angesetzt wird!

Endlich können die Mitarbeiter und Patienten der Psychiatrien in Süddänemark durchatmen. Nicht lange und nicht allzu erleichtert. Aber es ist schon ein Lichtblick, der da kürzlich vom Regionsrat in Vejle in die Krankenhäuser der Region ausging.

Es werden 129 Millionen Kronen zusätzlich zu den bereits von der Region eingeplanten Mitteln für die psychiatrische Versorgung in Süddänemark ausgegeben – dank der Regierung in Kopenhagen, die den Geldhahn hierfür aufgedreht hat.

Heißt für uns in Süddänemark: Es sollen mehr Behandlungsplätze in den allgemeinen psychiatrischen Abteilungen geschaffen werden und mehr Betten in den psychiatrischen Intensivabteilungen. Zudem sollen die örtlichen „Lokalpsychiatrien“ zusätzliche Mittel – und sämtliche Einrichtungen mehr Personal bekommen.

Besonders erfreulich: Sämtliche Fraktionen im Regionsrat haben dem Beschluss auf Grundlage des regionalen „Psychiatrieplans“ zugestimmt.

Vielleicht ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein? Nein. Die Lage ist angespannt – und sie hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr zugespitzt. Denn die psychisch Kranken haben zwar eine tüchtige, aber keine sonderlich einflussreiche Lobby.

So wurden die auf Christiansborg 2014 für die Psychiatrien abgesetzten 2,2 Milliarden Kronen perfiderweise von den Regionen dazu genutzt, eben bei der Psychiatrie den Rotstift anzusetzen. Zwar wurden die staatlichen Mittel den Psychiatrien zugewiesen – doch zugleich wurden die Regionsmittel für den Bereich drastisch weggekürzt, sodass am Ende ein Minus stehen blieb. Ein Minus an Geld, an Mitarbeitern, an Hilfe für Betroffene und Angehörige.

Doch das ist diesmal anders. Die Meldung, dass zum Beispiel jede der 13 sogenannten „Lokalpsychiatrien“ in Süddänemark mindestens eine neue Mitarbeiterin oder einen neuen Mitarbeiter bekommen soll, ist Teil einer Gesamtstrategie der Region, die Hand und Fuß hat.

So werden zum Beispiel Betroffene selbst zu Teilzeit-Mitarbeitern der Psychiatrien ausgebildet. Gewisse Patienten können sich selbst einweisen, wenn es ihnen nicht gut geht, und sie können ihren Behandlungsverlauf mitsteuern. Der digitale Kontakt soll zunehmen. Nicht um „echte“ Treffen zu minimieren, sondern um den Zugang für Betroffene zu Beratung und Information zu erleichtern. In der Corona-Krise hat sich diese Möglichkeit vielfach schon bewährt.

Und endlich sollen die Patienten, die in den psychiatrischen Abteilungen für kurze oder für längere Zeit untergebracht sind, auch mehr zu tun bekommen. Vielfach gilt in Dänemark, anders als in den meisten deutschen Psychiatrien, wo ein straffer Tagesplan vorherrscht, dass sich die Patienten ihre Zeit relativ frei einteilen können. Das hat viele Vorteile – aber eben auch den Nachteil, dass vielen eine sinnvolle Betätigung im Tagesverlauf fehlt.

Das Angebot diesbezüglich soll laut Plan ausgeweitet werden, denn das hilft bei der Genesung. Zu diesem Schluss kommt die Region selbst – wie auch zum Beispiel zu dem, dass die Angehörigen eine wichtige Ressource im Erholungsprozess sind. Schon heute gibt es fantastische Angebote der Region in dieser Richtung – um die uns wiederum in Deutschland viele, die davon hören, beneiden.

Auch angesichts der Tatsache, dass psychische Erkrankungen in jüngster Zeit bei Jugendlichen enorm zunehmen, ist es wichtig, was die Region sich hier vornimmt – und dass sie es auch durchzieht, ohne irgendwann doch wieder den Rotstift anzusetzen. Denn das können und dürfen wir uns nicht leisten!

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