Leitartikel

Einer für alle – alle für einen Tunnel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Die Rader Hochbrücke bei Rendsburg. Foto: dpa

Eine Ersatzbrücke für die marode Rader Hochbrücke ist wirklich nur ein Ersatz und keine Lösung für die Zukunft, meint Gwyn Nissen. Die nordschleswigschen Bürgermeister befürworten einen Tunnel unter dem Nord-Ostsee-Kanal.

Eine Ersatzbrücke für die marode Rader Hochbrücke ist wirklich nur ein Ersatz und keine Lösung für die Zukunft, meint Gwyn Nissen. Die nordschleswigschen Bürgermeister befürworten einen Tunnel unter dem Nord-Ostsee-Kanal.

In weniger als zehn Jahren kann sie nicht mehr: die Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal schwächelt, und es muss dringend Ersatz her. Das Großprojekt steht zwar schon am Anfang, doch bevor es losgeht, versucht das deutsch-dänische Grenzland, das Brückenprojekt zu untergraben. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn die nordschleswigschen Bürgermeister Thomas Andresen, Erik Lauritzen, H. P. Geil und Henrik Frandsen sowie die Regionsratsvorsitzende in Süddänemark, Stephanie Lose, und Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange versuchen nun ein letztes Mal, die verantwortlichen Planer in Berlin davon zu überzeugen, die Brücke fallen zu lassen und dafür auf eine Tunnellösung zu setzen.

Die Ersatzbrücke über den Kanal ist wirklich nur ein Ersatz und keine Lösung für die Zukunft. Simone Lange denkt bereits einige Generationen weiter, wenn in 30 oder 40 Jahren noch mehr Verkehr über die Straßen rollt, und die nordschleswigschen Bürgermeister haben vor allem ihre Wirtschaftsinteressen im Blick: Die dänische Industrie sowie ihre Zulieferer fahren zu 80 Prozent über die A7. Auch nach dem Neubau wäre die vierspurige Rader Hochbrücke ab 2026 ein Nadelöhr für den Verkehr. Die einzige Lösung ist ein sechsspuriger Tunnel. Die deutsch-dänische Lobby will aber mehr, denn auch der Eisenbahnverkehr soll effizient durch den Tunnel geleitet werden, statt in einer Warteschleife über Rendsburg zu kreisen.

Manchem werden die Forderungen aus dem deutsch-dänischen Grenzland etwas naiv vorkommen. Flensburg und Nordschleswig haben in Berlin keine Durchschlagskraft – auch nicht gemeinsam. Nicht mal ein dänischer Transportminister würde da viel nützen. Dennoch ist es richtig, jede einzige Chance zu nutzen, vielleicht doch die Entscheidung in eine andere Richtung zu biegen. Dann kann man wenigstens behaupten, alles Mögliche getan zu haben: Im Herbst werden in Deutschland die Karten neu gemischt, und wer weiß, vielleicht sehen die politischen Konstellationen anders aus und vielleicht gibt es eine Öffnung – politisch und unter dem Nord-Ostsee-Kanal.

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