Leitartikel

Das Dorf der Alten

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Die Kluft zwischen Stadt und Land nimmt in Dänemark zu. Schulschließungen treiben das voran. Nur durch Zusammenarbeit und gemeinsame Initiativen kann der ländliche Raum attraktiv bleiben, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Die Kluft zwischen Stadt und Land nimmt in Dänemark zu. Schulschließungen treiben das voran. Nur durch Zusammenarbeit und gemeinsame Initiativen kann der ländliche Raum attraktiv bleiben, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Die dänischen Dörfer werden immer „älter“. Der Grund: Die Kinderfamilien ziehen in die größeren Städte und die Rentner bleiben im Dorf zurück. Die Entwicklung ist rasant – und Lösungen sind gefragt. Auch wenn diese nicht auf der Hand liegen.

Von 2010 bis 2016 gab es in Dänemark sieben Prozent weniger Neugeborene. Doch in den Dörfern und auf dem Land ist die Anzahl von Null- bis Sechsjährigen im gleichen Zeitraum um satte 21 Prozent gefallen. Gleichzeitig lebt der ältere Teil der Bevölkerung immer länger und bleibt oft im eigenen Heim wohnen. Dadurch ist der Anteil von älteren Bürgern auf dem Land mit 23 Prozent gestiegen. Laut DR soll es sogar Dörfer geben, in denen die Hälfte der Einwohner über 65 Jahre alt ist.

Schulschließungen auf dem Lande treiben die Entwicklung voran: Dort, wo es keine Dorfschule mehr gibt, kann der Immobilienmakler auch keine Häuser an Familien verkaufen. Und schon befindet sich sich das Dorf in einer Todesspirale. Dabei wohnen heute fast zwei Millionen der in Dänemark Lebenden auf dem Land oder in Dörfern unter 5.000 Einwohnern – weit mehr als in Kopenhagen. Doch die Umzugswagen folgen dem globalen Trend: Alle wollen in die Stadt.

Einfache Lösungen gibt es nicht. Denn es ist wesentlich günstiger und einfacher, 200 Schüler aus der Dorfschule in die Stadt zu transportieren, anstatt 600 Schüler aus der Stadt aufs Land zu fahren.

Manch ein Kommunalpolitiker hat jedoch den Mut, eine Dorfschule nicht einfach zu schließen – so wie es derzeit Apenrade vormacht: In Gjenner werden nach den Sommerferien nur 54 Schüler zur Schule gehen, doch die Einrichtung bleibt bestehen.

Doch es liegt nicht nur an Kommunalpolitikern allein, Lösungen für den ländliche Raum zu finden. Wer auf dem Land wohnt, muss auch selber für Entwicklung sorgen und einen Einsatz leisten; mit anderen im Dorf, aber auch mit den Nachbarorten: Nur durch Zusammenarbeit und gemeinsame Initiativen kann der ländliche Raum attraktiv bleiben. Dazu gehört auch, dass wer auf dem Lande wohnt, sich als Botschafter sieht und die Vorzüge des Landlebens anpreist.

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