Leitartikel

„Mit Deutsch kommt man weiter“

Mit Deutsch kommt man weiter

Mit Deutsch kommt man weiter

Apenrade/Aabenraa
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Das Fach Deutsch erfreut sich in Dänemark immer weniger Beliebtheit. Das muss sich ändern, findet Gwyn Nissen, und apelliert an die neue Regierung und die zweisprachigen Schüler im Grenzland.

Viele im deutsch-dänischen Grenzland kennen den Spruch „Mit Englisch kommt man durch – mit Deutsch kommt man weiter“ und können auch bestätigen, dass etwas dran ist. Die Botschaft scheint bei den Studierenden in Dänemark allerdings nicht angekommen zu sein: Nur 46 haben sich in diesem Jahr an den Universitäten in Aarhus und Kopenhagen für das Fach Deutsch angemeldet.

„Der Mord an dem Fach Deutsch ist ein Skandal“, titelte Mikael Jalving seinen Kommentar in der Zeitung „Morgenavisen Jyllands-Posten“, denn nicht nur wichtiges Sprachwissen gehe dabei verloren, sondern auch ein Stück kulturelle Kenntnis über das große Nachbarland Deutschland.

Englisch, Japanisch, Russisch, Spanisch, Chinesisch haben alle weitaus mehr Studierende als Deutsch, das sich gerade eben mit den indianischen Sprachen messen kann. Das Fach Deutsch ist in Dänemark Geschichte, bedauert Jalving. Es müsse auf nationaler Ebene gehandelt werden, meint er. Deutsch sei zwar in vielen Zusammenhängen beliebt – sei es der Fußball, das Weißbier, Berlin, deutsche TV-Serien oder gar Merkel – doch bei der Sprache hört die Liebe auf.


Ein Grund dafür, dass Deutsch immer häufiger die Ersatzbank drückt, ist sicherlich, dass unsere Nachbarsprache oft als schwierig und langweilig bezeichnet wird. Außerdem haben sich die Bedingungen für die Sprachfächer in den Gymnasien verschlechtert, sodass schon hier viele potenzielle Studierende für das Fach Deutsch verloren gehen.

Aus den Deutschlandstrategien der beiden vorigen Regierungen ist nicht viel herausgekommen. Ein dritter Anlauf ist aber unbedingt notwendig, wenn Dänemark seinem größten Handelspartner näherkommen möchte.

Hoffen wir daher, dass Jalvings Nachruf verfrüht ist, und dass Totgesagte länger leben. In der Zwischenzeit haben viele Jugendliche im Grenzland – und vor allem aus den Minderheiten nördlich und südlich der Grenze – einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Schülern im restlichen Teil des Landes. Daher: Versteckt euch nicht hinter eurer Zweisprachigkeit, sondern nutzt sie. Für euch selbst – und für das deutsch-dänische Verhältnis.

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