Leitartikel

Des Kaisers neues Skat

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Des Kaisers neues Skat

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Scanpix

Von der Steuerbehörde Skat kam zuletzt eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Daran haben vor allem Politiker und die Führungsetage Schuld, weil vieles einfach unter den Teppich gekehrt worden sei, meint Peter Lassen.

Von der Steuerbehörde Skat kam zuletzt eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Daran haben vor allem Politiker und die Führungsetage Schuld, weil vieles einfach unter den Teppich gekehrt worden sei, meint Peter Lassen.

Die Grundlage eines jeden funktionierenden Wohlfahrtsstaates ist, dass die Steuereintreibung klappt. Dass JEDER an die Staats- oder Kommunekasse zahlt, was er/sie soll. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dass es da immer wieder smarte Jongleure gibt, die Löcher im System suchen und finden oder gar betrügen, ist wohl nicht auszumerzen. Das war immer so.

Aber zumindest sollte der Staat alles tun, damit sein System möglichst wasserdicht ist, damit sich die vielen, vielen kleinen und loyalen Steuerzahler nicht völlig – um es mal salopp zu sagen – angepisst fühlen nach dem Motto: Die Kleinen fängt und hängt man – während die Großen sich auf Kosten aller schöne Tage machen.

Letzteres gilt insbesondere für jene Gauner, die sich von der dänischen Steuerbehörde Skat ruckzuck rund zwölf Milliarden Kronen nie gezahlter Aktiensteuern haben rückerstatten und ins Ausland überführen lassen. Es gehören dazu aber auch die rund 80 Milliarden Kronen Bürgerschulden, die Skat und Kommunen wohl aktuell abschreiben müssen.

Ein Skandal ist auch der Zusammenbruch des Milliarden teuren Eintreibungssystems EFI der Steuerbehörde.

Es kommen von „unser aller Skat“ immer wieder neue Hiobsbotschaften, die den Normal-Steuerzahler quasi verzweifeln und sich ungerecht behandelt fühlen lassen.

Die Politiker tragen eine große Schuld an der Misere, weil sie in den vergangenen Jahren auch unter Hinweis auf Entlastung durch den Segen der neuen Technik Personalabbau durchgedrückt haben. Aber insbesondere auch die Führungsetagen bei Skat tragen die Verantwortung, weil sie – häufig leistungsorientiert vergütet – vieles einfach unter den Teppich gekehrt haben, nach dem Motto: Was keiner weiß, macht keinen heiß. Hinzu kommt noch, dass die schlauesten Köpfe nicht in einem solchen System arbeiten wollen. Die sitzen lieber auf der anderen Seite und kassieren da auch weit mehr Bonus.

Der frühere Oberweise Christen Sørensen meint, dass es im ganzen Apparat eine Schweige-Kultur gibt, und er zweifelt stark daran, dass der eingeleitete Plan „Ein neues Steuersystem“, der im vergangenen November vorgestellt wurde, den gewünschten Effekt haben wird. Der würde zu sehr nach des Kaisers neuen Kleidern aussehen.

Der Ex-Weise fordert eine übergeordnete Kommission, die der Skat-Misere rigoros auf den Grund geht und Wege aufzeigt, wie man sie ausmerzen kann. Er nennt das versagende, Bonus orientierte New Public Management in den Behörden, schlechte IT-Kompetenz oder einseitigen Fokus auf Einsparungen ohne Rücksicht auf Folgen als Gründe für den Quasi-Zusammenbruch.

Der Zusammenbruch bei Skat sei laut Sørensen kaum ein Fehler, der mal passieren kann – nein, und sollte dem so sein, könnte er ja schnell wieder auftreten.

„Unser aller Skat“ muss sich wahrlich und schnell am Riemen reißen, denn sonst stehen wird letztendlich alle bald nackt in der Kälte – wie im Märchen von H. C. Andersen.

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