Leitartikel

„Dein persönliches Bild“

„Dein persönliches Bild“

„Dein persönliches Bild“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Geht die Datenschutzverordnung zu weit, fragt Chefredakteur Gwyn Nissen – und schließt: Die persönlichen Informationen werden aus dem Netz gesogen – egal wo sie erschienen sind – und geben am Ende ein ganzes Bild. Ein ganz persönliches Bild.

Im Kirchenblatt keine Taufen, im Vereinsheft keine Fotos, in der Kirche keine Namensnennung zum Totensonntag und keine Geburtstagslisten im Gewerkschaftsblatt. Das neue Datenschutzgesetz lässt Grüßen.

Seit dem 25. Mai 2018 ist es weitaus schwieriger geworden, persönliche Informationen zu veröffentlichen. Und das ist, halten wir mal fest, gut so. Persönliche Daten sind eben persönlich und nicht alle sind daran interessiert, dass sie überall zugänglich sind.

So groß war das Problem beim Vereinsheft oder dem Kirchenblatt früher nicht – zumindest hat sich kaum jemand Gedanken darüber gemacht. Aber inzwischen gibt es nicht nur die gedruckte Kopie, sondern auch das Internet und Vertriebskanäle wie die sozialen Netzwerke. Aus „harmlosen“ Informationen im lokalen Umfeld sind plötzlich persönliche Daten geworden, auf die wir aufpassen.

Das ist schon mal gar nicht schlecht, denn viele Dänen pflegen einen leichtsinnigen Umgang mit ihren Daten. Unkritisch, ja, fast naiv. Die neue Datenschutzverordnung hat auch die Dänen für dieses Thema sensibilisiert. Wer früher nichts dagegen hatte, dass im Gewerkschaftsblatt der runde Geburtstag veröffentlicht wurde, denkt heute eher darüber nach, ob die Information welcher Gewerkschaft oder andere Informationen man angehört in die breite Öffentlichkeit gelangen sollte.

Das Problem ist, dass die EU-Regeln für alle gelten – für das Milliardenunternehmen und den Kunstverein, und dass kaum differenziert wird. Das bedeutet viel Arbeit vor allem für die Ehrenamtler in den Vereinen, die zum Beispiel von allen Eltern oder Fußballsenioren die Genehmigung brauchen, bevor Fotos vom Vereinsleben veröffentlicht werden können.

Da scheint die Datenschutzverordnung auf den ersten Blick einen Schritt zu weit gegangen zu sein, aber das Internet kennt eben nicht den Unterschied zwischen kleinem Klub und Großunternehmen. Die persönlichen Informationen werden aus dem Netz gesogen – egal wo sie erschienen sind – und geben am Ende ein ganzes Bild. Ein ganz persönliches Bild.

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