Leitartikel

„Dänischer Optimismus“

Dänischer Optimismus

Dänischer Optimismus

Nordschleswig/Sønderjylland
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Die Sonne scheint, und der Optimismus steigt in Dänemark. Doch noch ist es ein weiter Weg aus der Corona-Krise, schreibt Chefredakteur Gwyn Nissen.

48.000 Angestellte haben in Dänemark in den vergangenen Wochen während der Corona-Krise ihren Job verloren. Doch der Optimismus im Lande ist immer noch groß – vielleicht zu groß, denn die Krise endet nicht genauso schnell, wie sie auf uns zukam.

Fehlende Exporte, Entlassungen, Konkurse und geschlossene Geschäfte prägen die dänische Wirtschaft, die in diesem Jahr um 5,3 Prozent zurückgehen wird, so die Berechnungen des Finanzministeriums. Das ist ein herber Rückschlag, der sogar die Finanzkrise 2009 in den Schatten stellt.

Und was wir damals schon lernten: Der Weg aus der Krise ist länger als der eigentliche Fall ins Krisenloch. Dänemark muss damit rechnen, dass erst wieder 2022 ein Normalzustand hergestellt werden kann, in dem das Versäumte wieder eingeholt worden ist. Vorausgesetzt, das Coronavirus wirft uns nicht zurück.

Der Optimismus unter den Einwohnern Dänemarks ist indes ungebrochen. Im Vergleich zu anderen Ländern haben in Dänemark nur wenige ihren Job verloren, und die Erwartungen an die eigene Situation und finanzielle Lage in den kommenden Monaten sind daher positiv – nur in zwei anderen EU-Ländern ist der Optimismus größer als in Dänemark.

Dabei schätzt nicht nur die Regierung, sondern auch die Wirtschaft selbst, dass es noch eine Weile dauern kann, bevor wir bessere Zeiten erleben. Und nicht nur das: Obwohl Dänemark auf dem Weg aus dem Corona-Shutdown ist, stecken die Unternehmen noch mitten im Morast. Wir müssen uns sogar auf noch mehr Entlassungen und Konkurse einstellen, bevor es wieder bergauf geht. Das sind die Fakten.

Vor allem das wichtige Exportgeschäft braucht einen längeren Anlauf. Ein wenig Optimismus verbreitet immerhin auch Danfoss-Direktor Kim Fausing: „Wir nähern uns dem Boden, nun bewegen wir uns wieder nach vorn", sagt er der Zeitung „Jyllands-Posten“.

Die heimische Wirtschaft wird in den kommenden Wochen und Monaten ebenfalls kräftig angekurbelt werden. Für die Regierung gilt, den richtigen Zeitpunkt zu finden, wann die Milliarden-Hilfspakete wieder eingestellt werden können. Passiert es zu früh, brechen einige Unternehmen ein. Hängt die Wirtschaft zu lange am Tropf, muss die öffentliche Hand herhalten – und die steht schon mit über 207 Milliarden in der Kreide.

Der erneute Optimismus tut gut. Aber wir haben noch längst nicht alle Corona-Strapazen hinter uns.

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