Leitartikel

„Blutiges Nachtleben“

Blutiges Nachtleben

Blutiges Nachtleben

Nordschleswig/Sønderjylland
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Die Corona-Krise hat in Süddänemark einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Nachtleben und Gewalttaten gezeigt. Daraus müssen Konsequenzen gezogen werden, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Bars, Discos, Nachtlokale und Kneipen mussten Mitte März wegen der Corona-Maßnahmen schließen. Das ist nun auch in den Kriminalstatistiken der Polizei in Südjütland und Nordschleswig zu sehen. Eine Studie der Süddänischen Universität (SDU) zeigt: Die Anzahl der Gewaltverbrechen ist in den vergangenen Monaten um 31 Prozent gesunken.

Auch Gewalttaten gegen das Personal in Behörden sind weniger geworden (minus 33 Prozent) und das nicht nur gegen Beamte im Nachtleben, sondern zum Beispiel auch gegen Berater in Jobzentren und Sozial-Behörden.

Gleich mehrere Gründe also, gegen das Nachtleben einzuschreiten?

Selbstverständlich meint der Interessenverband der Hotels und Restaurants in Dänemark, Horesta, dass es eine schlechte Idee ist, das Nachtleben in irgendeiner Weise zu begrenzen. Erstens sei die Polizei während der Corona-Krise präsenter gewesen, was auch einen Effekt gehabt haben könne, und zweitens dürfen Läden und Supermärkte rund um die Uhr Alkohol verkaufen, was bedeuten würde, dass die Party unkontrolliert woanders im Ort weitergeht.

Die Einwände von Horesta sind nicht unberechtigt, auf der anderen Seite hat der Interessenverband auch keine Lösungen, wie Gewalttaten zu verhindern sind. Und wo bleibt das Verantwortungsbewusstsein? An der Theke gilt heute schon der „verantwortungsbewusste Ausschank“ – das heißt, dass man keinen Alkohol an Leute ausschenken darf, die für sich selbst oder andere eine Gefahr darstellen. Dies wird im Nachtleben aber zu selten gehandhabt – immerhin leben Discos und Nachtklubs vom Alkoholverkauf.

Achselzucken löst aber keine Probleme, wobei die Branche, Behörden und die Politik nicht nur den jungen Leuten der Partyszene gerecht werden müssen, sondern auch Anwohnern und Opfern der nächtlichen Ausschreitungen am Rande der Party.

Natürlich kann man die Szene nicht einfach schließen. Dann treffen sich Menschen woanders und entziehen sich jeglicher Kontrolle. Aber es müssen dennoch Versuche gemacht werden, wie man besser mit der Trink- und Gewaltkultur umgehen kann.

Eine norwegische Studie hat zudem gezeigt, dass die Zahl der Gewalttaten für jede Stunde, die Bars nachts länger geöffnet sind, um 16 Prozent steigt. Und auch durch die Corona-Krise hat sich deutlich gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen Nachtleben und Gewalt gibt.

Das Problem ist erkannt – nun müssen gemeinsame Lösungen gefunden werden. Sonst klebt nicht nur den gewaltbereiten Schlägern Blut an den Händen.

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