Leitartikel

„Aus den Augen, aus dem Sinn“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Wenn die Zigaretten im Supermarkt versteckt werden, kaufen die Kunden weniger davon. Die heutigen Raucher werden ihre Glimmstängel zwar schon noch finden, aber es geht darum, neue Generationen davon abzuhalten, mit dem Rauchen überhaupt erst anzufangen, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Es funktioniert: Wenn die Zigaretten im Supermarkt versteckt werden, kaufen die Kunden weniger davon. Diese Erfahrung haben die Supermärkte der Salling Group in den vergangenen zwölf Monaten gemacht. Jetzt fordern die drei großen Handelsketten in Dänemark die Landespolitiker dazu auf, per Gesetz nachzuziehen. Und zwar überall. In Geschäften, Bars, Raststätten und Kiosken sollen die Zigaretten in Zukunft unter die Theke verschwinden. Ganz nach dem Motto: aus den Augen, aus dem Sinn.

Netto war der erste Supermarkt, der die Zigaretten „verschwinden“ ließ, und kurz darauf folgten mit Føtex und Bilka weitere Supermarktketten der Salling Group. Der Handel mit Zigaretten ist in diesen Geschäften um 9 Prozent gefallen. In Netto-Läden nah an den Universitäten sogar um 40 Prozent. Salling-Group-Chef Per Bank ist selbst überrascht und erfreut, dass das Versteckspielen vor allem dazu geführt hat, dass Jugendliche weniger Zigaretten kaufen.

Nun haben sich auch die Wettbewerber von Coop und De Samvirkende Købmænd hinzugesellt. Das ist in der Branche fast schon bemerkenswert – und lobenswert. Mit ihrer Aktion übernehmen die Handelsketten ein Stück Verantwortung.
Aber es stellen sich auch neue Fragen: Warum nicht die Zigaretten ganz aus dem Handel nehmen? Wahrscheinlich, weil die Supermärkte dann befürchten, Kunden zu verlieren. Und genau aus diesem Grund treten die drei großen Handelsunternehmen gemeinsam an die Politik heran und fordern zu einer einheitlichen Gesetzgebung auf. Damit wird die Initiative verbindlich. Und niemand kann sich einen geschäftlichen Vorteil verschaffen.

Das Folketing ist derzeit gespalten: Die Mehrheit, bestehend aus Regierung und Dänischer Volkspartei, ist gegen eine solche Regelung und fordert zu freiwilligem Handeln auf. Denn was soll die Politik als nächstes aus dem Blick der Kunden verschwinden lassen: Alkohol? Süßigkeiten? Fetthaltige Wurst? Eis?

Die Opposition stellt sich dagegen auf die Seite des Handels. Wenn nicht jetzt, dann könnten die Zigaretten spätestens nach der Wahl im Frühsommer 2019 ihren prominenten Platz an der Kasse verlieren. Bis dahin gilt aber immerhin der Treueschwur der drei Handelsketten: einer für alle und alle für einen. Ein erster wichtiger Schritt. Die heutigen Raucher werden ihre Glimmstängel zwar schon noch finden, aber es geht darum, neue Generationen davon abzuhalten, mit dem Rauchen überhaupt erst anzufangen. Und da sind alle Initiativen willkommen.

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