Leitartikel

„Aufräumarbeiten nach Falck“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Falck hatte einst einen guten Ruf in Dänemark, doch wie der Bericht der Wettbewerbsbehörde zeigt, versuchte das Unternehmen mit überraschender Gründlichkeit, den Konkurrenten Bios schlecht zu machen. Nach Ansicht von Gwyn Nissen, Chefredakteur des Nordschleswigers, ist der Bericht mehr als eine schallende Ohrfeige.

Das Rettungsunternehmen Falck war einst der Stolz ganz Dänemarks. Falck war von Mitarbeitern und der Bevölkerung gleichermaßen geschätzt und lag bei Imagestudien oft ganz vorn. Doch mit einem „Masterplan“ stutzte sich der Rettungsdienst selbst die Flügel: Denn das Ziel war keine eigene Strategie, wie sich Falck weiter entwickeln konnte, sondern es war ein gemeiner Plan, wie die Konkurrenz in Misskredit gebracht und vom Markt verdrängt werden sollte.

Leidtragender waren das niederländische Rettungsunternehmen Bios, das 2014 den Betrieb der Ambulanzen in der Region Süddänemark übernahm, nach einer Schmähkampagne von Falck allerdings aufgeben und Konkurs anmelden musste. Und auch die süddänischen Steuerzahler kam die Eitelkeit der Falck-Führung teuer zu stehen.

Die Wettbewerbsbehörden haben nun die Maschen von Falck dargelegt, wobei im Bericht so viel Neues gar nicht steht. Aber die Gründlichkeit und der systematische Einsatz, mit denen Falck gegen Bios vorgegangen ist, überrascht dennoch: Mitarbeiter wurden mobilisiert, um in den sozialen Plattformen gegen Bios zu hetzen, Fake News wurden verbreitet, und in den Niederlanden wurden Journalisten gekauft, um gegen Bios „Schmutz auszugraben“. Falck ließ sich von den eigenen Gefühlen verführen und überschritt jegliche Grenze der Anständigkeit – und vielleicht sogar das Gesetz.

Die Wettbewerbsbehörde wird Falck an die Einheit „Særlig Økonomisk og International Kriminalitet“ anzeigen. Abzuwarten bleibt noch, ob Bios und die Region Süddänemark Schadenersatz fordern – der könnte im unteren dreistelligen Millionenbereich liegen. Dazu kommen noch hohe Bußgelder, falls bewiesen werden kann, dass Falck seine Marktposition ausgenutzt hat, um einen Wettbewerber aus dem Markt zu verdrängen.

Das ist mehr als eine schallende Ohrfeige für Falck. Es ist ein großes Stück Image- und Vertrauensverlust in ein altehrwürdiges Unternehmen, das nicht mehr den moralischen Wertekompass vor Augen hatte. Das sieht zum Glück auch das „neue“ Falck so. Jakob Riis, der sich nach dem damaligen Falck-Boss Allan Søgaard Larsen in den Chefsessel setzte, hat sich bereits 2018 für die Vorgänge entschuldigt. Das Gleiche taten der Kommunikationsverantwortliche Peter Goll und das Kommuniktionsbüro Advice, das Falck zur Seite stand.

Falck räumt gerade mit neuen Werten nach dem eigenen Unglück auf – und das ist gut so. Andere Unternehmen sollten daraus ihre Lehren ziehen: Wenn man mit dem Finger auf die Konkurrenz zeigt, dann zeigen gleichzeitig drei Finger auf einen selbst.

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