Leitartikel

„Asis“

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Milliarden und Abermilliarden sind den Bürgern Europas genommen worden – und das zum Teil unter den Augen von Banken und Behörden. Cornelius von Tiedemann hat eine Idee, wie Steuergelder stattdessen ausgegeben werden könnten.

So mancher überlegt sich ab und an, was er machen würde, wenn er reich wäre. Da kommt der Punkt „auf Kosten der anderen noch reicher werden“ wahrscheinlich immer ziemlich weit hinten auf der Liste, wenn er es denn überhaupt in die Top-10.000 schafft.

Vielleicht ist so mancher deshalb auch nicht reich, könnten Zyniker einwerfen. Doch das wäre ungerecht. Denn es ist durchaus möglich, wohlhabend zu werden, ohne sich zu bereichern.

Doch es gibt sie eben. Jene, die nicht nur zuerst an sich denken – sondern auch noch handeln, als gäbe es kein Morgen. Die Finanzkrise wurde von solchen Menschen ausgelöst. Nun ist aufgeflogen, dass solche Menschen durch Tricks 410 Milliarden Kronen Steuergelder einkassiert haben. Geld, das nun vermutlich zum Teil dafür verwendet wird, die Bürger Europas in noch größerem Maße zu betrügen.
Denn je größer der Einsatz, desto größer der Gewinn für die Schamlosen – und der Verlust für die Ehrlichen.

Was besonders zu denken gibt, ist, dass die Gesetzeslücken, die sich die Schwindler in diesem Skandal zunutze gemacht haben, vielen Bankhäusern bekannt waren und einige daran sogar noch fett verdient haben. Und das just zu den Zeiten, in denen eben diese Banken von den Steuerzahlern gerettet wurden.

Auf dem Schulhof nannte man ein solches Verhalten früher „asich“ – mit kurzem A und abgeleitet vom Wort asozial. Wer die Gemeinschaft ausraubt und sich damit rechtfertigt, dass es ja nicht verboten ist, verhält sich wie einer, der einer alten Frau den Rollator klaut, weil er nicht angeschlossen war. Wie ein richtiger „Asi“ eben.

Das Problem an diesen Finanz-Asis ist, dass sie in Lackschuh und Nadelstreifen daherkommen. Dass sie hofiert werden – anstatt dass ihnen Grenzen aufgezeigt werden.

Und da kommen die Behörden und Regierungen ins Spiel. Warum werden, wie Journalisten in Deutschland recherchierten, Gesetzestexte von Banken-Lobbyisten diktiert – und dann als Verbesserung verkauft? Etwa weil die Banker die einzigen sind, die davon etwas verstehen?

Das darf nicht sein. Mit den Milliarden, die auf diese Weise verschwunden sind, hätten Kindergärten, Altersheime, Flüchtlingsunterkünfte, Eisenbahnstrecken, Spielplätze, Büchereien, Fahrradwege, Bushaltestellen, Schulen, Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Tunnel und Brücken und so weiter und so fort in ganz Europa finanziert werden können und sollen.

Ein Bruchteil des Betrages schon hätte gereicht, um der Finanzbranche mit lukrativen Gehältern einige der cleversten Finanzexperten abzuluchsen und sie auf die Jagd nach den Gesetzeslücken und den Finanzasis gehen zu lassen. Es ist an der Zeit, dass die Behörden massiv aufrüsten. Dafür würden die meisten Nichtasis sicher gerne einen Teil ihrer Steuern hergeben.

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