Leitartikel

„Alles wie gehabt?“

„Alles wie gehabt?“

„Alles wie gehabt?“

Apenrade/Aabenraa
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Bei der deutschen Minderheit in Nordschleswig ist vieles noch so wie bei der Gründung vor 74 Jahren. Die Verbände und ihre Vertreter sind aber nicht nur verpflichtet, an Traditionen festzuhalten – sie müssen sich auch trauen, sich den neuen Herausforderungen zu stellen, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Wenn wir die deutsche Minderheit in Nordschleswig wiedererfinden müssten: Würden wir sie dann so aufbauen, wie wir sie heute kennen? Mit den gleichen Strukturen und Angeboten?

Diese (große) Frage werden die Verbände der Volksgruppe in den nächsten 18 Monaten beantworten. Auftraggeber ist der Hauptvorstand des Bundes Deutscher Nordschleswiger, der die Minderheit unter die Lupe nehmen wird. Eine passende Aufgabe zum 75-jährigen Bestehen, das im Herbst 2020 gefeiert wird.

Die allzu leichte Antwort auf die Frage wäre, dass man alles so machen würde wie bisher. Aber das ist vielleicht nicht die richtige Lösung. Die deutsche Minderheit und der Bund Deutscher Nordschleswiger haben im Großen und Ganzen immer noch die gleichen Strukturen wie nach dem Krieg. Doch die Welt um uns herum hat sich verändert. Auch die Minderheit ist eine andere als vor 75 Jahren.

Das sieht man zum Glück auch in den Verbänden: Der BDN passt sein kulturelles Angebot an die heutigen Zeiten an, die Vereine im Sportbereich gehen neue Wege, der Sozialdienst hat seine Angebote ergänzt, Bücherei und „Der Nordschleswiger“ haben auch das Digitale im Auge.

Aber dennoch ist vieles beim Alten geblieben. Was nicht verkehrt sein muss, weil Traditionen vor allem in einer Volksgruppe wie der unseren wichtig sind. Sie sind in vieler Weise das Fundament, das über Jahrzehnte gebaut wurde. Darauf kann die Minderheit heute bauen.

Die Verbände und ihre Vertreter sind aber nicht nur verpflichtet, an Traditionen festzuhalten – sie müssen sich auch trauen, sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Und auch das steht fest: Die Minderheit kann nicht alles auf einmal bewältigen. Was bedeutet, dass bei jedem Schritt nach vorn manch Historisches auf der Strecke bleiben wird. Keine leichte Aufgabe für die Minderheitenvertreter in den Verbänden, aber eine notwendige, um die Minderheit für die Zukunft zu stärken.

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