Leitartikel

„Ärmere Welt ohne Kunst“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Über Kunst lässt sich streiten, vor allem wenn die öffentliche Hand bezahlt.Chefredakteur Gwyn Nissen blickt auf ein schönes Beispiel aus Viborg.

Der erfolgreichste dänische Handballtrainer aller Zeiten, Ulrik Wilbek, findet sich erneut in den Schlagzeilen wieder. Allerdings nicht, weil er wieder im Handballgeschäft auf sich aufmerksam macht. Sondern weil er als Bürgermeister in seiner Heimatstadt Viborg ein Kunstwerk für das Bürgermeisterbüro gekauft hat. 92.000 Kronen hat das Gemälde von Vilmantas Marcinkevicius gekostet. Das Werk des litauischen Künstlers hat Wilbek in der örtlichen Galleri NB gekauft.

Und wie es nun mal so ist: In Sachen Kunst scheiden sich die Geister. Zum einen gibt es stets die Diskussion darüber, wie viel Geld für Kunst ausgegeben werden sollte. Was man sich nicht alles für dasselbe Geld hätte kaufen können, so das Argument der Kritiker. Wobei zur Wilbek-Kunst noch hinzukommt, dass ein Auktionshaus den Wert des Bildes auf 12.000 Kronen schätzt. Was wiederum eine Diskussion entfacht hat, ob die Kommunekasse abgezockt worden ist.

Weitere Diskussionspunkte sind oft die Platzierung von Kunstwerken – im Büro des Bürgermeisters ist das Kunstwerk nicht für alle zu sehen – und schließlich kommt es oft zu großen Diskussionen darüber, ob es gute Kunst ist oder nicht.
Über Kunst lässt sich eben streiten, wobei sich Wilbek auch als Bürgermeister als ein kämpfender Terrier zeigt und den Einkauf verteidigt. zu Recht, denn Kunst gehört nun einmal in unseren Alltag – ob sie in einem Bürgermeisterbüro hängt, am Kreisel aufgestellt ist oder eine Schule schmückt. Und nicht nur das: Kunst kann und muss irritieren, stören, unterhalten, zu Diskussionen anregen.

Eine Welt ohne Kunst, ohne Skulpturen, Gemälde oder Installationen wäre eine ärmere Welt. Eine Welt ohne die notwendigen Farbtupfer im Alltag. Klar, jeder von uns kann sich an Kunst erinnern, die uns nicht anspricht. Aber ganz sicher auch an schöne Kunst, die uns zum Lächeln bringt und uns eine Freude macht.

Und genauso wie Kommunen und Staat ganz praktische Aufgaben für uns Bürger erledigen, so wird auch dafür gesorgt, dass uns Kunst und Kultur im Alltag nahegebracht wird. Manchmal hängt diese Kunst eben beim Bürgermeister und entzückt dort Mitarbeiter und Gäste. Andere Male haben wir alle unsere Freude an der Installation im Kreisel.

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