Leitartikel

2.728.800 Erfolgsgeschichten

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Grenzkontrollen
Foto: Carsten Rehder/dpa

2.728.800 Menschen haben in Dänemark Arbeit. Für wen das gut ist, darüber macht sich Chefredakteur Gwyn Nissen in seinem Leitartikel Gedanken.

Erinnern Sie sich noch an die Schlagzeile vor einigen Jahrzehnten, als eine dänische Zeitung titelte: Jetzt passen die Arbeitslosen in unser Nationalstadion rein. Damals gab es um die 40.000 Arbeitslose, und man musste sich schon gründlich überlegen, ob man in seinem Umfeld einen Arbeitslosen kannte.

Heute stehen etwa 90.000 in Dänemark ohne Arbeit (abhängig davon, welche Statistik man verwendet). Doch auch das ist eine Erfolgsgeschichte, denn noch nie waren so viele hier in Arbeit: 2.728.800 Menschen haben in Dänemark eine Arbeit. Ein einmaliger dänischer Rekord – und das Angebot an Arbeitsplätzen scheint in den kommenden Monaten weiter zu steigen.


Familien können sich über Vollbeschäftigung freuen, Politiker sehen wie Kommune- und Staatskassen aufgefüllt werden, und viele können ein Stückchen mehr von ihrem Traum realisieren. Das gilt auch für viele Ausländer, die in Dänemark ihr Glück suchen. Ohne polnische oder rumänische Arbeiter zum Beispiel würden unter anderem die dänische Industrie, die Landwirtschaft, der Servicebereich und das Baugewerbe leiden.

Das Gleiche gilt für die vielen Deutschen, die sich entweder in Dänemark ansiedeln oder täglich über die Grenze pendeln (über 13.700): Während die Arbeitskraft in Teilen des Landes knapp wird, hat Nordschleswig den Vorteil, dass der Arbeitsmarkt für viele Deutsche attraktiv ist.

Positiv sind auch die neuesten Zahlen aus den Kommunen, die es durch einen großen Einsatz verstanden haben, mehr Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt zu schleusen. War es vor einigen Jahren nur jeder zehnte Flüchtling, der es nach zwei Jahren im Lande geschafft hatte, einen Job zu bekommen, ist es heute fast jeder dritte. In Tondern sogar jeder Zweite.


Um es direkt zu sagen: Ohne Ausländer gäbe es heute Engpässe auf dem dänischen Arbeitsmarkt – Engpässe, die in den Unternehmen zu Einbußen führen würden. Daher werden private und öffentliche Arbeitgeber in den kommenden Monaten noch mehr tun müssen, um den Arbeitsmarkt für ausländische Arbeitskraft zu öffnen. Hoffentlich führt das auch in der Bevölkerung zu der Einsicht, dass in Dänemark für alle Platz ist. Weil es einfach notwendig ist, wenn wir alle Rädchen am Laufen halten wollen.

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