Leitartikel

Gutes Landleben

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Apenrade/Aabenraa
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Foto: Scanpix

Die Kommune Tondern als ein wiederkehrendes Beispiel für ein Bereich, mit besonders vielen leerstehenden Häusern. Einheimische und Zuwanderer schätzen jedoch das gute Leben auf dem Land.

Die Kommune Tondern als ein wiederkehrendes Beispiel für ein Bereich, mit besonders vielen leerstehenden Häusern. Einheimische und Zuwanderer schätzen jedoch das gute Leben auf dem Land.

Vor wenigen Tagen ist wieder einmal ein Bericht durch alle Medien gejagt worden, in dem man sich über einen weiteren Zuwachs bei den leer stehenden Häusern vor allem in ländlichen Regionen Dänemarks informieren lassen konnte. Die Kommune Tondern wurde wieder einmal als ein Bereich aufgeführt, in dem besonders viele Häuser offenbar nicht benötigt werden – oder eine sinnvolle Nutzung verhindert wird.

SP-Stadtratsmitglied Jørgen Popp Petersen nannte den Trend, dass in Dänemark besonders viele Menschen den Arbeitsplätzen in die Städte gefolgt sind, als eine Hauptursache des Wohnraumüberschusses in ländlichen Regionen des Landes. Zugleich verwies er auf erfolgreiche Initiativen in Nordschleswig, den ländlichen Raum attraktiver zu gestalten. Dazu zählen viele aktive Dorf- und Kleinstadtgemeinschaften – übrigens auch viele Vereine und Einrichtungen der deutschen Nordschleswiger, die unterstreichen, dass es viele Menschen gibt, die gerne auf dem Lande leben und die dort vorhandenen Vorzüge genießen.

Neben Einheimischen sind dort auch Neubürger anzutreffen, die aus der Stadt aufs Land gezogen sind – und viele Pendler, die oft lange zur Arbeit in die größeren Orte fahren.
Der für die Förderung des ländlichen Raumes zuständige Minister Brian Mikkelsen (Kons.) meldete sich fast zeitgleich mit der Bekanntgabe der neuen Schreckensmeldungen über zunehmenden Verfall und Leerstand auf dem Lande mit einer Erfolgsbilanz, dass bereits an die 100 Initiativen der Regierung zur Stärkung der ländlichen Bereiche in Angriff genommen oder umgesetzt worden seien. Diese reichen von der Verlagerung staatlicher Arbeitsplätze in die Provinz bis hin zu leichteren Genehmigungen von Bauprojekten auf dem Lande Stärkung der Landwirtschaft oder günstigerer Finanzierung von Ferienhäusern. Die Verlagerung von staatlichen Behörden in die Regionen hat übrigens nicht nur die Bedeutung, dass gut bezahlte Jobs z. B. einen Bereich wie die Insel Alsen stärken. Die Platzierung von wichtigen Behörden in die Provinz dürfte auch den Blickwinkel der dort tätigen Akteure erweitern, die oftmals die kleine dänische Welt nur aus dem „abgelegenen“ Reservat Kopenhagen betrachteten.

In Nordschleswig begrüßt man die Initiativen. Doch gerade im Grenzland könnte man sich noch mehr wünschen: die Verbesserung der Busverbindungen im Landesteil, bessere Verknüpfung von Zügen und Bussen und Förderung des Zuzugs von Bürgern über die Grenze hinweg, die vielfach als Pendler nördlich der Grenze arbeiten. Wichtig ist auch die Versorgung mit Bildungsangeboten. Dazu gehören neben Schulen für Kinder und Jugendliche Angebote der beruflichen Bildung und Fortbildung, die leider auch in einen unglücklichen Zentralisierungssog geraten waren. So gibt es beispielsweise wegen Schließung dezentraler Lehrerseminare inzwischen auch Probleme, Lehrkräfte für „Dorfschulen“ zu finden. Und es muss das Image des Landlebens verbessert werden, das doch auch die Großstädter eigentlich lieben, denn sobald sie frei haben, zieht es sie meist aufs Land, wo man ein gutes Leben führt und woran sie gerne mit Sommerhäusern teilhaben wollen.

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