Sommer und Strand

Leben retten und Menschen treffen

Leben retten und Menschen treffen

Leben retten und Menschen treffen

Nele Dauelsberg
Röm/Rømø
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Wenn Søren Gad Hvas den Strand im Rettungsturm beobachtet, setzt er sich auch neben seine Ausrüstung direkt an den Strand. Foto: Nele Dauelsberg

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Surfen, mit Menschen sprechen, neue Freunde kennenlernen und nebenbei noch Menschen helfen. Das ist der Sommeralltag von Søren Gad Hvas, der wie viele andere Rettungsschwimmer den Strand und dessen Besucher immer im Blick haben muss. Dass da mehr hintersteckt, als in Badehose am Wasser zu stehen, berichtet der Student dem „Nordschleswiger“.

Die Sonne scheint, Möwen fliegen durch die Luft, und eingecremte Badegäste kühlen sich in der frischen Nordsee ab. Vorne am Strand Lakolk auf Röm sitzt der ganz in Gelb und Rot gekleidete Søren Gad Hvas und schaut anscheinend entspannt durch sein Fernglas dem Geschehen zu. „Auch wenn Tage so ruhig scheinen wie heute und das Wasser friedlich ist, kann immer was passieren“, warnt Hvas. „Im ersten Moment weiß man nicht, ob die Leute sich im Wasser treiben lassen oder Hilfe brauchen. Deshalb müssen meine Kollegen und ich immer aufmerksam bleiben!“

Seit 23 Jahren gibt es die Stiftung TrygFonden, die sich für mehr Badesicherheit an den dänischen Stränden einsetzt und Rettungsschwimmer und -schwimmerinnen ausbildet. Hvas ist einer von ihnen und passt mit zwei Kollegen diese Saison auf den Strand in Röm auf. Den vierten Sommer verbringt der Religion-Student nun mit dem Retten von Leben.

Aus dem Hörsaal in den Beobachtungsturm

„Die meisten Rettungsschwimmer sind Studierende“, erklärt Hvas. Da die Arbeitszeiten in der Regel fünf Wochen von Mitte Juni bis Mitte August im Sommer sind, haben Berufstätige meistens weniger Zeit. Für ihn fällt es genau in die Semesterferien.

Von links: Søren Gad Hvas, Anton Bundgård und Kristoffer Erbo Kjæn. Alle drei Rettungsschwimmer haben ihre Prüfungen bestanden und arbeiten schon mehrere Saisons am Strand. Foto: Nele Dauelsberg

Erst mal bei TrygFonden angenommen zu werden, ist nicht ganz einfach. Nach einer Bewerbung im Dezember muss jeder einen Rettungsschwimmerkurs belegen. Die 2.000 Kronen dafür müssen alle Anwärter und Anwärterinnen selbst finanzieren. Danach schreiben sie noch einen Test. Dieser sollte jedes Jahr neu bestanden werden, damit das Wissen nicht einrostet.

Zusätzlich gibt es während der Arbeitszeit unangekündigte Überprüfungen. Mitarbeitende der Stiftung legen sich dabei ins Wasser und heben einen Arm. Die Rettungsschwimmer müssen ihnen dann ordnungsgemäß helfen. Weil das zu jeder Zeit passieren kann, bleiben sie immer auf der Hut.

Aber für Hvas und viele andere lohnen sich der große Aufwand und die Tests: „Es ist ein sehr schöner Arbeitsplatz. Ich kann mit vielen netten Menschen sprechen, mit meinen Freunden arbeiten und helfen. Und nebenbei verdiene ich auch noch Geld.“ Doch obwohl die Atmosphäre meistens sehr entspannt ist, kann es schnell gefährlich werden. Deshalb trainiert der Rettungsschwimmer täglich.

Alles kann passieren

„Es ist immer besser, zu besorgt zu sein“, versichert Hvas und schaut mit einem Fernglas über den Strand. Seine Aufgaben sind nach Farben in unterschiedliche Stufen eingeteilt.

Schon von Weitem sind der typische rot-weiße Rettungsturm und das gelbe Auto von TrygFonden zu erkennen. Die gelb-rote Flagge bedeutet, dass die Rettungsschwimmer im Dienst sind. Foto: Nele Dauelsberg

Am gefährlichsten sind die sogenannten Roten Fälle. Dabei handelt es sich um Situationen, die lebensbedrohlich sind. In diesem Sommer gab es in Dänemark schon fünf. Hvas selbst war noch nicht in einer solchen Situation noch nicht, weiß aber, dass so etwas immer passieren kann.

„Mein schlimmster Moment war erst diesen Montag“, erzählt er bedrückt. Eine Frau kam zu ihm und erklärte, dass ein Kind nicht mehr aus dem Wasser gekommen ist. Mit Boot und Hubschrauber haben sie das komplette Wasser abgesucht und konnten nur ein schwimmendes Gummieinhorn finden. Es stellte sich schließlich heraus, dass andere Strandbesucher das Kind an Land gesehen haben. Auch wenn diese Situation gut ausgegangen ist, war das für Hvas und seine Kollegen ein großer Schock.

Am meisten muss er jedoch Fragen zu den Warnflaggen beantworten oder Kindern Malbücher schenken. Selbst solche sogenannten Blauen Fälle dokumentiert er online und für alle anderen Rettungsschwimmer einsehbar. Dieses Jahr gab es davon etwa 20.000 in ganz Dänemark.

Kenne den Ort, an dem du schwimmst

Besonders großes Risiko beim Schwimmen gehen Kinder, Teenager und Touristen ein, und das oft, ohne es zu wissen. Entweder weil sie das Wasser nicht kennen oder weil sie sich selbst überschätzen und müde werden.

Beim Schwimmen müde zu werden, ist am gefährlichsten. So ertrinken die meisten Menschen.

Gerade Leute, die nicht aus Dänemark kommen oder den Strand und das Wasser nur im Sommer sehen, kennen die Bedrohungen nicht. Fast alle Dänen und Däninnen sind regelmäßig am Meer und sehen die Gefahren und die hohen Wellen im Winter. „Gerade Touristen aus Mittel- oder Süddeutschland kennen das nicht. Für sie sieht das Meer immer so aus wie im Sommer bei schönem Wetter. Deshalb sind sie manchmal unvorsichtiger“, so Hvas.

Dass es Unterströmungen gibt, wie schnell die Flut einsetzt oder dass das Wasser von einem Meter zum anderen deutlich tiefer wird, können einige nicht einschätzen. Doch auch dafür sind Hvas und seine Kollegen da. Regelmäßig gehen sie über den Strand und warnen die Leute oder verteilen Broschüren mit Tipps für mehr Sicherheit.

Die fünf Tipps für sicheres Schwimmen und Baden

  1. Schwimmen lernen!
  2. Niemals allein ins Wasser gehen!
  3. Auf Wind und Wasser achten!
  4. Sich mit dem Strand vertraut machen!
  5. Niemals die eigenen Kinder aus den Augen lassen!
Lies hier die Richtlinien noch einmal ausführlich durch!

Das Meer, das Helfen und die Menschen

Für den jungen Studenten scheint der Sommerjob als Rettungsschwimmer weit mehr zu sein als nur das. Er liebt es, den Menschen helfen zu können, und immer wieder auf neue Freunde zu stoßen. Außerdem war er schon immer begeistert von Wasser und Meer. Selbst nach der Arbeitszeit geht er mit seinen Freunden surfen. Früher hatte er noch ein bisschen Angst vor dem Meer, aber seit er bei TrygFonden arbeitet, weniger.

Als Rettungsschwimmer lernst du, die Wellen zu lesen. Es ist viel einfacher, sicher zu sein.

Deswegen ist er auch der Meinung, dass mehr Leute Rettungsschwimmen lernen sollten. Die Stiftung ergreift diesbezüglich auch schon die ersten Initiativen: An lustigen Badetagen motivieren Mitarbeiter von TrygFonden Kinder spielerisch zu lernen, sich richtig im Wasser zu verhalten und anderen zu helfen.

Auch wenn das Meer an sonnigen Tagen sehr friedlich aussieht, können viele Gefahren im Wasser lauern. Ungeübte Schwimmer und Schwimmerinnen können das nur sehr schwierig einschätzen. Foto: Nele Dauelsberg

„Wir sollten uns besonders ein Beispiel an Australien nehmen“, betont Hvas, der selbst ein Jahr dort verbracht hat. „Dort kann jedes Kind die Grundlagen des Rettungsschwimmens. Und das ist auch gut so, denn im Ernstfall rettet das Leben!“

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