Literatur

Lebensgeschichten sind nicht nur schwarz-weiß

Lebensgeschichten sind nicht nur schwarz-weiß

Lebensgeschichten sind nicht nur schwarz-weiß

Paul Sehstedt
Roskilde
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Die Autorin Pernille Juhl stammt aus Sonderburg (Archivfoto) Foto: Michael Drost-Hansen/Ritzau Scanpix

Pernille Juhls neuer Doppelroman zeichnet ein Gesellschaftsbild Dänemarks während des Zweiten Weltkriegs. Eine wahre Begebenheit gab ihr die Inspiration für die Helene-Bücher.

Das Grenzland birgt viele interessante Geschichten und menschliche Dramen. So auch das Schicksal eines jungen Mannes, der 1919 in Deutschland geboren wurde und dessen vom Vater abstammende deutsche Staatsbürgerschaft ihm 1940 zum Verhängnis wurde, als Dänemark von Deutschland besetzt wurde. Seine Mutter war mit ihm 1920 nach Hadersleben gezogen und hatte nicht bedacht, dass die Staatsbürgerschaft des Vaters Gültigkeit für das Kind hatte. Der junge Mann wurde zum deutschen Kriegsdienst einberufen.

Diese Geschichte erzählte dessen Sohn der Schriftstellerin Pernille Juhl, die sich davon inspirieren ließ. Die beiden Romane „Helenes Krig“ und „Helenes Besættelsen“ sind ein wohl erzähltes Ergebnis, das gleichzeitig ein lesenswertes Gesellschaftsbild über die Besatzungszeit in Dänemark beschreibt.

Immer auf der Suche nach Geschichten

„Ich bin fortwährend auf der Suche nach Geschichten und Schicksalen“, erzählt Pernille Juhl in einem Gespräch mit dem „Nordschleswiger“. „Und nach einer Stunde war mir bewusst, dass mir der Sohn einen Grundstoff berichtete, den ich unbedingt umsetzen musste. Ich benutze nur Fragmente, um damit meinen Roman aufzubauen, und der junge Mann ist auch nicht die Hauptfigur der Bücher. Mir ist bewusst, dass solche Lebensgeschichten nicht nur schwarz oder weiß bewertet werden können, denn die Folge der Einberufung war für die Familie, dass sie von ihrem Umgangskreis weitgehend ausgestoßen wurden, weil die Bekannten nicht die Unschuld des jungen Mannes verstanden oder akzeptieren wollten.“

Pernille Juhl hatte die Helene-Romane lediglich als Hör- und E-Bücher im Streamings Media (Übertragungsdienst) Mofibo geplant. Als jedoch publik wurde, dass die Produktionsgesellschaft M&M die Filmrechte erworben hatte, wurde der Buchverlag People's Press hellhörig und war an einer gedruckten Version interessiert, die in diesem Jahr herausgegeben wurde.

„M&M hat die Filmrechte bis Ende dieses Jahres“, berichtet die Schriftstellerin, die in Sonderburg (Sønderborg) geboren wurde und heute in Roskilde lebt. „Der Erwerb bedeutet jedoch nicht, dass der Inhaber der Rechte zu einer Verfilmung verpflichtet ist. Aber soweit ich informiert bin, ist eine Serie geplant.“

Fünf Fragen an Pernille Juhl

Schreibst du selbst das Drehbuch für die Serie?

„Ich habe zwar einen Kursus im Skriptschreiben beim Schriftstellerverein besucht, aber ich glaube nicht, dass ich ein Drehbuch selbst schreiben werde.“

Werden deine Bücher in andere Sprachen übersetzt?

„Die Helene-Romane sind gerade ins Spanische übersetzt worden, weil der spanische Sprachraum sehr groß ist. Allein in Mexiko-Stadt leben 23 Millionen Menschen und dann noch Südamerika sowie Europa. Das gibt einen sehr großen Markt her.“

Du bist eine sehr produktive Schriftstellerin. Woran schreibst du augenblicklich?

„Ich schreibe an einer Geschichte über einen Nordschleswiger, der im Ersten Weltkrieg vom Militärdienst dissertiert, und auch in diesem Buch werde ich die Nuancen in seinem Schicksal hervorheben.“

Werden die Helene-Romane weiter ausgebaut?

„Ich plane eine dritte Folge, aber ganz konkret kann ich das noch nicht sagen.“

Hast du noch immer genügend Zeit für deinen Ingenieursberuf?

„Ich arbeite jetzt zu je 50 Prozent als Schriftstellerin und Ingenieurin. Das passt mir ganz ausgezeichnet.“

Pernille Juhl: „Helenes Krig“ und „Helenes Besættelse“. Beide Bücher sind erschienen im Verlag People's Press. 289 Seiten, gebunden, Preis 199,95 Kronen. Foto: People's Press

Unser Fazit: Pernille Juhls Romane sind leicht lesbar und beobachten die Epoche, in der sie angesiedelt sind in einem einfühlsamen Stil. Drama und Spannung halten eine ausgewogene Balance. „Helenes Krig“ und „Helenes Besættelse“ sind da keine Ausnahme.

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