Literatur

Das Böse lauert

Das Böse lauert

Das Böse lauert

Claudia Knauer
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Jens Henriks Jensens neueste Veröffentlichung „Oxen – Lupus“ Foto: DN

Der Autor Jens Henrik Jensen hat ein neues Buch um seine Romanfigur Oxen veröffentlicht. Dieser würde am liebsten allein im Wald leben – doch Oxen muss mal wieder Dänemark retten.

Mit dem jüngsten Titel „Oxen – Lupus“ hat Jens Henrik Jensen aus einer eigentlich als Trilogie gedachten Serie um den ehemaligen Jägersoldaten Niels Oxen eine Tetralogie gemacht. Und wer weiß, ob sie sich nicht zu einem Fünfteiler ausweitet.

Niels Oxen hatte in den vorhergegangenen Bänden zusammen mit Margrethe Franck und Geheimdienst- bzw. Ex-Geheimdienstchef Axel Mossmann den Danehof zerschlagen, der ein Schattenregiment in Dänemark führte und zu bestimmen glaubte – oder tatsächlich bestimmte – welche Wege in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu gehen sind.

Unter Einsatz seines Lebens und immer wieder im Kampf gegen seine eigenen Dämonen, die die posttraumatische Belastungsstörung mit sich bringt, hat Oxen dafür gesorgt, dass Dänemark wieder ein bisschen demokratischer und sicherer wurde.

Aber dann? Wer kann etwas mit einem ehemaligen Jägersoldaten anfangen, der zwar als einziger mit dem höchsten Orden, dem Tapferkeitskreuz, ausgezeichnet wurde, aber sich nur im Dunkeln herauswagt und am liebsten allein im Wald wohnen würde? Das Arbeitsamt jedenfalls nicht, wohl aber Axel Mossmann, der seine ganz eigenen Pläne verfolgt.

Hier geht es jetzt darum, Lupus auszuschalten – eine Organisation, die an der Jurisdiktion vorbei ermittelt, Recht spricht und vollstreckt – Todesstrafe eingeschlossen. Für Oxen, der mühsam versucht, sein Verhältnis zu seinem 14-jährigen Sohn aufzubauen, sind zunächst einmal die echten Wölfe spannend, die sich in der Gegend angesiedelt haben, in der auch die Suche nach Lupus ihren Anfang nimmt und dann über viele Irrungen und Wirrungen auch gleich erklärt, warum Margrethe Franck ihr Bein verlieren musste.

Spannend schreibt der von Friederike Buchinger ins Deutsche übersetzte Jens Henrik Jensen, das kann keiner anzweifeln. Er entwickelt einen Plot wie kaum ein anderer und führt Fäden zusammen, die lange fast unsichtbar wie Spinnweben sind, aber unweigerlich zu einem Netz zusammenlaufen.

Etwas ärgerlich sind die, zumindest sprachlich, ein wenig platten Beschreibungen der Männer in der Harrilder Heide, die „Beton“, „Furz“ oder „Schmied“ heißen. Zudem gibt es wenig Bewegung in der Entwicklung der Personen, vor allem Axel Mossmann ist der gerissene, knitterige, immer gerne Englisch sprechende Alt-Geheimdienstler. Hier hätte man sich mehr gewünscht.

Aber, und das wiegt viel schwerer, Jensen greift relevante Themen – vom Wolf in Dänemark bis hin zur Frage der Selbstjustiz und der Behandlung von kriminellen Ausländern – auf, die wirklich bewegen. Und Jensen verhebt sich mit diesen Themen nicht.

Er ist klug, belesen und ein solch guter Krimiautor, dass er nicht nur für Spannung bis zur absolut letzten Seite sorgt, sondern auch für Denkanstöße darüber hinaus. Denn das Böse kann überall lauern – auch in den Reihen der Justiz und der Polizei. Und manchmal tut es das auch. Insofern macht sich Jens Henrik Jensen mit seiner Krimiserie einmal mehr um die dänische Gesellschaft verdient.

Jens Henrik Jensen: „Oxen – Lupus“, dtv, 608 broschierte Seiten kosten 16,90 Euro

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