Kultur

Sieben Jahre danach: Utøya beschäftigt Norweger in Film und Fernsehen

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Oslo
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Gedenken bei Utøya am 22. Juli 2017. Foto: Scanpix

Drei Filme und eine Fernsehserie über das Massaker auf der Insel Utøya bei Oslo am 22. Juli 2011 werden in den kommenden Monaten veröffentlicht. Einer der Filme ist ins Programm der Berlinale aufgenommen worden.

69 Teilnehmer eines sozialdemokratischen Jugend-Camps sind damals von einem Einzeltäter getötet worden. Zuvor hatte er acht Menschen mit einem Sprengsatz in Oslo getötet. Ein nationales Trauma, das nun, bald sieben Jahre später, für Leinwand und Fernsehbildschirme aufgearbeitet wird.

Der Film „Utøya 22. juli“ kommt im März in die norwegischen Kinos, am 19. Februar wird er im Hauptwettbewerb der Berlinale laufen. Die Charaktere und die einzelnen Erlebnisse im Film sind laut Regisseur Erik Poppe aus Rücksicht auf die Opfer und Angehörige erfunden – die Geschichte jedoch beruhe auf Zeugenaussagen und Fakten und sei in enger Zusammenarbeit mit Überlebenden entwickelt worden.

Der norwegischen Tageszeitung „Aftenposten“ sagte Poppe, die Aufnahme in den Berlinale-Wettbewerb sei eine hohe Auszeichnung für den Film. „Dass der Film als künstlerisch und handwerklich gut beurteilt wird, teile ich mit jenen, die mir dabei geholfen haben, den Film so wirklichkeitsnah wie möglich zu machen und die an diesem fatalen Tag auf Utøya waren“, sagt er.

Auch die Autorinnen Siv Rajendram Eliassen und Anna Bache-Wiig sind über die Teilnahme an der Berlinale erfreut – und erleichtert. Der Film sei „ein ehrlicher Versuch, die Geschichte der Opfer zu erzählen“, die künstlerische Bearbeitung eines „unser größten nationalen Traumata ist richtig und wichtig, aber uns war die ganze Zeit klar, dass es uns viel abverlangen würde“, schreiben die beiden in einem Statement.

Bevor der Film in Norwegen am 9. März Premiere hat, wird er in geschlossenen Vorführungen Überlebenden und Angehörigen gezeigt. Eine speziell eingerichtete Unterstützergruppe, die sich um Opfer und Angehörige des Massakers kümmert, hat gemeinsam mit dem norwegischen Seelsorgezentrum die Empfehlung ausgesprochen, dass Betroffene sich Filme über den 22. Juli ansehen sollten. Ärzte und Psychologen sollen bei den geschlossenen Vorführungen anwesend sein.

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