Dänemark kompakt

Der Nachrichtenüberblick am Dienstag

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DN
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Rohde wird Viborg untreu, Einigung im XL-Streit und ein gekipptes Urteil: Wissen was in Dänemark läuft – die wichtigsten Nachrichten im Überblick.

Jens Rohde wird Viborg untreu

Vor zwölf Jahren bezeichnete die damalige Staatsministerin Helle Thorning-Schmidt (Soz.) Venstres amtierenden politischen Sprecher Jens Rohde als eine Rakete, die außer Kontrolle geraten sei. Mittlerweile ist das amtierende EU-Parlamentsmitglied zu den Radikalen gewechselt, und die wollen Rakete Rohde bei der nächsten Folketingswahl in Kopenhagen einsetzen, um dort unzufriedene Venstre-Wähler anzusprechen. Rohde ist ansonsten Lokalpatriot aus Viborg und war bisher auch Kandidat im Großkreis Westjütland. Aber Montagabend kürten die Radikalen auf Frederiksberg ihn zu ihrem Kandidaten: Er tue es für die Partei, so Rohde.

Entbürokratisierung: Beifall für Reformkonzept

Innovationsministerin Sophie Løhde (Venstre) hat bei der Vorstellung des umfangreichen Konzeptes einer Zusammenhangsreform, unterstrichen, dass man die Neuerungen nicht als Kritik an den vielen Beschäftigten in den öffentlichen Einrichtungen auffassen solle. Erstes Ziel sei die Entbürokratisierung des öffentlichen Dienstes. Gewerkschaftsspitzen äußerten sich am Dienstag positiv über das Konzept. Es sei positiv, dass Innovationsministerin Sophie Løhde Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und deren Organisationen zur Beteiligung eingeladen hat, so etwa die Vorsitzende der Gewerkschaft HK, Bodil Otto. Sie äußerte sich allerdings skeptisch zur Ankündigung, dass vier Milliarden Kronen im Zuge der Reform bis 2022 erwirtschaftet werden könnten.

DR Sinfonieorchester erhält deutschen Preis

Ein Animationsfilm über die Einspielung des Orchesterwerkes Marin durch das Sinfonieorchester von Danmarks Radio ist mit dem neuen deutschen Klassikpreis Opus Klassik ausgezeichnet worden. Nach dem Aus für den Echo ist der Opus Klassik der neue große Preis für klassische Musik in Deutschland. Am 14. Oktober wird er in Berlin überreicht. DR erhält den Preis in der Kategorie Musik-DVD/Blu-ray-Produktion des Jahres. Es bedeute „unendlich viel“ für das Orchester, einen Platz auf der „europäischen Weltkarte“ zu haben, so Orchesterchef Kim Bohr.

XL Byg und XL Møbler einigen sich im Namensstreit

Die dänische Möbelhauskette XL Møbler darf ihren Namen behalten – aber keine neuen Filialen in der Nähe von Baumärkten der Kette XL Byg eröffnen. Außerdem darf die Möbelhauskette keine Waren und Dienstleistungen verkaufen, die auch im primären Sortiment von XL Byg liegen. Darauf haben sich beide Unternehmen in einer Schlichtung vor Gericht am Dienstag geeinigt. Der Streit begann, nachdem XL Møbler, das 2012 gegründet wurde, eine zweite Filiale in Sorø eröffnete – genau gegenüber eines Baumarktes von XL Byg.

Gewalttätiger Schüler: Schulleiterin gewinnt Prozess

Eine ehemalige Angestellte einer sozialpädagogischen Einrichtung in Nordwestjütland hat vom dänischen Höchstgericht das Recht auf Schadenersatz wegen Gewalt im Beruf zugesprochen bekommen. Damit wurde die anderslautende Entscheidung aus zweiter Instanz gekippt. Dort hatte man sich an eine verschärfte Regel der Beschwerdestelle für Schadenersatz gehalten, die seit 2014 vorsieht, dass Beschwerden 72 Stunden nach dem Vorwall eingehen müssen. Diese Praxis habe jedoch keine rechtliche Grundlage, so das Höchstgericht. Ein 14-jähriger Schüler hatte die Pädagogin, die die Institution leitete, im März 2014 am Hals gepackt. Beobachter sehen das Urteil als Grundlage dafür, dass weitere Fälle, in denen Klägern kein Schadenersatz zugesprochen wurde, erneut überprüft werden. Die Beschwerdestelle hat bereits angekündigt, dies einzuleiten. Die betroffene, 44-jährige Pädagogin ist mit der Diagnose posttraumatischer Stress nicht mehr arbeitsfähig.

Foto: Chris Liverani/Unsplash

Handschütteln soll Gesetz werden

Selbst bei Politikern der Regierungspartei Venstre sorgt es für Kopfschütteln – doch ihr Chef Lars Løkke Rasmussen will tatsächlich ein Gesetz einführen, nach dem frisch Eingebürgerte ihren Integrationserfolg damit bestätigen müssen, dass sie die Hand geben. Auch wenn die Kommunen diese Aufgabe nicht wahrnehmen wollen oder können. „Die Kommunen sind der Rahmen der Nahdemokratie. Dort wohnen die Leute und es ist auch viel einfacher, das an 98 Orten durchzuführen“, so der Staatsminister. „Aber wenn die Kommunen ein Problem damit haben, dafür den Rahmen zu bilden, müssen wir eine andere Lösung finden. Dann muss es der Staat sein, der diese Zeremonien abwickelt“, sagt er.

Polizei verbietet LTF

Die dänische Polizei hat ein vorläufiges Verbot gegen die kriminelle Bande Loyal To Familia verhängt. Das Verbot gilt so lange, bis eine eventuelle Auflösung der Bande von einem Gericht bestätigt wurde, berichtet die Kopenhagener Polizei am Dienstag.

„Die LTF ist eine kriminelle und gefährliche Bande, die wir mit einer Sofortmaßnahme verbieten werden“, so Staatsanwältin Ida Sørensen zur Nachrichtenagentur Ritzau. Das Verbot gilt ab sofort und wurde vom Oberstaatsanwalt zugelassen.

Danske Bank: Neue Enthüllungen kosten Aktionäre Milliarden

Dass 190 Milliarden Kronen durch die Danske Bank-Filiale in Estland, die in einem Geldwäsche-Fall verwickelt war, flossen, waren keine guten Nachrichten für die Aktien der Bank. Diese sind am Dienstagmorgen deutlich gefallen, berichtet die Nachrichtenagentur Ritzau.

Nachdem der Aktienmarkt gut eine Stunde lang geöffnet hatte, fiel die Aktie um sieben Prozent auf einen Stückpreis von 175,9 Kronen. Der Gesamtverlust der Aktie beziffert sich auf 11,9 Milliarden Kronen. Seit Anfang des Jahres sind die Wertpapiere der Danske Bank um 24 Prozent gesunken.

Gegen Wildschweinezaun – aber nicht gemeinsam

Zwei große Naturverbände, der WWF und Danmarks Naturfredningsforening, klagen bei der EU in Brüssel gegen den Wildschweinzaun an der deutsch-dänischen Landesgrenze. Sie tun dies aber nicht gemeinsam, denn sie haben unterschiedliche Argumente dafür, weshalb sie der EU-Kommission raten, einzugreifen und das Grenzprojekt der Folketingsmehrheit zu stoppen.

Legos Verkauf steigt wieder

Im ersten Halbjahr von 2018 stiegen die Verkaufszahlen des dänischen Spielzeugherstellers Lego wieder. Das Unternehmen hat um einen Prozent zugelegt. 2017 präsentierte Lego erstmals in einem Zeitraum von 13 Jahren wieder rote Verkaufszahlen.

„Unser Plan für 2018 ist, das Unternehmen zu stabilisieren und in ein zukünftiges Wachstum zu investieren. Der Rechenschaftsbericht zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, so Lego-Direktor Niels B. Christiansen

Marianne Jelved wird 75

Sie ist als Frau mit der Handtasche bekannt. Die frühere mehrfache Ministerin und Vize-Staatsministerin Marianne Jelved feiert am Dienstag ihren 75. Geburtstag. Sie hat 31 Jahre im Folketing hinter sich. Als Chefin der Radikalen war die Lehrerin aus Charlottenlund von 1993-2001 Wirtschaftsministerin in den vier Regierungen von Sozialdemokrat Poul Nyrup Rasmussen – seit 1994 zusätzlich Ministerin für nordische Zusammenarbeit. 2007 überließ sie den Parteivorsitz an Margrethe Vestager. Als die Thorning-Regierung unter Teilnahme der Radikalen 2011 gebildet wurde, wurde Jelved Fraktionsvorsitzende – kehrte aber vom Dezember 2012 bis Juni 2015 als Kulturministerin zurück. Aktuell ist sie gleichstellungs- und ausbildungspolitische Sprecherin der Radikalen.

Lehramtsstudenten nutzen weniger Zeit mit studieren

Als im Jahre 2013 das Lehramtsstudium reformiert wurde, hatten die Politiker besonderen Wert auf ein Vollzeitstudium gelegt. Doch nun zeigt eine aktuelle Umfrage, dass die Studenten im Durchschnitt lediglich 25 Stunden pro Woche für ihr Studium absetzen. Diese Zahl ist weit von den 43 Stunden pro Woche entfernt, die das Bildungs- und Forschungsministerium als ein Vollzeitstudium anrechnet, berichtet Politiken Skoleliv.

Dass bei den Studenten scheinbar keine intensivere Lehrkultur entstanden ist, besorgt Forschungsminister Tommy Ahlers (Venstre). „Ich mache mir über das fachliche Niveau und die Studienintensität, die ja offenbar zu niedrig ist, sorgen“, so Ahlers.

DSB bereiten Waggonkauf vor

Vor einigen Wochen hatten die Dänischen Staatsbahnen (DSB) mitgeteilt, dass im Zuge der Beschaffung neuer Vectron-Elektroloks auch Material zum Betrieb von Zügen mit traditionellen Passagierwaggons beschafft werden soll. Die DSB teilten gestern mit, dass die Ausschreibungsunterlagen veröffentlicht worden sind. 40 bis 56 Waggons werden für 1,2 Milliarden Kronen bestellt. Sie sollen 2022 zur Verfügung stehen, so DSB-Chef Flemming Jensen. 2019 werden die Verträge unterzeichnet. Die Waggons sollen auch im internationalen Verkehr zum Einsatz kommen.

Wohnungsangebot steigt

Neue Zahlen des Immobilienportals Boligsiden.dk zeigen, dass das Angebot an Eigentumswohnungen, die zum Verkauf stehen, in diesem Jahr um 18 Prozent angestiegen sind. Am 1. September waren in Dänemark 8.250 Eigentumswohnungen zu verkaufen, welches das höchste Angebot seit März 2012 ist.

„Dass wir eine solch hohes Wohnungsangebot haben, liegt an den fallenden Verkaufszahlen. Im ersten Halbjahr von 2018 lag der Verkauf zehn Prozent unter dem Niveau vom Vorjahr“, so Boligsiden-Kommunikationsdirektorin, Birgit Daetz.

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Walter Turnowsky
Walter Turnowsky Korrespondent in Kopenhagen
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