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Europäische Minderheiten setzen Zeichen: Preis für Minderheitenschützer geht nach Italien

FUEN setzt Zeichen: Preis für Minderheitenschützer geht nach Italien

FUEN setzt Zeichen: Minderheiten-Preis nach Italien

Berlin
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Gianclaudio Bressa
Gianclaudio Bressa war wegen eines Unfalls verhindert und konnte nicht persönlich nach Berlin kommen – nahm den Preis stattdessen in seiner Römer Wohnung entgegen. Foto: FUEN

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Im politischen Italien war er über viele Jahre ein wichtiger Fürsprecher der nationalen Minderheiten. Nach dem Rechtsruck südlich der Alpen zeichnet die FUEN, der Dachverband europäischer Minderheiten, Gianclaudio Bressa nun aus. Der kämpft unterdessen weiter – für gesellschaftliche Vielfalt und mediale Unabhängigkeit in seiner Heimat.

In Berlin hat die Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) den italienischen Politiker Gianclaudio Bressa mit dem FUEN-Preis 2022 für seinen Einsatz und seine Errungenschaften für autochthone, nationale Minderheiten und Sprachgruppen ausgezeichnet.

Einsatz für das Zusammenleben in Italien

Bressa, der seine politische Laufbahn als Christdemokrat begann und seit 15 Jahren für die Mitte-Links-Fraktion der Demokratischen Partei antritt, hat sich sowohl in Regierungsverantwortung als Staatssekretär als auch aus der Opposition heraus über Jahrzehnte für „ein gutes Zusammenleben der Menschen – egal, welche Sprache sie sprechen oder welcher Nationalität sie angehören“ eingesetzt.

„Artikel 6 der italienischen Verfassung besagt: ,Die Republik schützt die sprachlichen Minderheiten durch geeignete Regelungen' – das ist es, was ich in meiner Regierungszeit getan habe, in dem Bewusstsein, dass Europa, wie Romano Prodi sagte, eine Union von Minderheiten ist", so Bressa laut Pressemitteilung der FUEN. Er hatte wegen eines Unfalls und einer damit verbundenen Operation in dieser Woche seine Teilnahme am FUEN-Kongress absagen müssen.

Loránt Vincze und Daniel Alfreider am Donnerstag mit dem FUEN-Preis. Der Preisträger selbst (Foto im Hintergrund) musste aus gesundheitlichen Gründen absagen. Foto: FUEN/László Mihály

„Beispiel und Vorbild“

„Mit seinem Handeln ist Gianclaudio Bressa ein Beispiel und Vorbild; als Vertreter der Mehrheitsbevölkerung hat er nicht nur ein offenes Ohr, sondern hat durch aktives und konkretes Handeln über Jahrzehnte gezeigt, wie man Minderheiten in ihrer Entfaltung unterstützen kann“, sagte Daniel Alfreider, FUEN-Vizepräsident und als stellvertretender Landeshauptmann der Autonomen Region Bolzano-Südtirol ein guter Kenner des Preisträgers, bei seiner Laudatio.

Gianclaudio Bressa sei ein großes Vorbild und ein Beispiel dafür, wie staatliche Vertreter mit ihren Minderheiten umgehen sollten.

Auch im Zusammenhang mit der Stärkung autonomer Regionen habe er sich in Italien verdient gemacht: „Für ihn ist die Autonomie eine Ressource, eine Art des Zusammenlebens und auch ein Ausgangspunkt für den Aufbau eines immer besseren Zusammenlebens“, so Alfreider am Donnerstag weiter.

Bressa war Motor der italienischen MSPI-Unterstützung

Bressas engagierten Arbeit sei es zu verdanken, dass in den autonomen Regionen und im Speziellen in den Provinzen Südtirol und dem Trentino eine neue Diskussion über die Zukunft der Autonomie angestoßen wurde, um auch die Finanzen zu konsolidieren.

Die FUEN habe, schreibt der Verband, von Gianclaudio Bressa große Hilfe im Zusammenhang mit der Minority SafePack Initiative (MSPI) erhalten. Sie hat zum Ziel, die Rechte von autochthonen nationalen Minderheiten in der EU zu verankern. „Während seiner Zeit als Regierungsmitglied im italienischen Parlament war seine Unterstützung für das Projekt in Italien maßgebend“, heißt es in der Pressemitteilung.

Gianclaudio Bressa wurde 1956 in Belluno in Italien geboren. Von 1996 bis 2018 war er Mitglied der italienischen Abgeordnetenkammer und mehrmals Mitglied der italienischen Regierung. Er ist Mitglied der Partei „Partito Democratico“. Momentan kämpft er in Italien für mehr Pluralität und gegen Monopole in den italienischen Medien.

Hintergrund: Der FUEN-Preis

Der FUEN-Preis ist nach Angaben des Verbandes eine „besondere Ehrung für Personen, die aktiv für den Minderheitenschutz tätig sind und sich mit Engagement und Einsatz für die Verbesserung und Anerkennung der autochthonen nationalen Minderheiten und Sprachgruppen in Europa einsetzen.“

Erstmals vergeben wurde die Auszeichnung im Jahr 2019. Die bisherigen Preisträger sind Hartmut Koschyk (2019) sowie Fernand de Varennes (2021).

Der Preis, ein Kunstobjekt, trägt den Titel „Zwei Brücken“. Dies soll für eine der Leitlinien der FUEN stehen: Minderheiten sind Brückenbauer. Das aus Gießharz, Blattgold und Holz gefertigte Kunstwerk hat die Flensburger Künstlerin Simone Bruhn, die der dänischen Minderheit angehört, gefertigt. Es soll das friedliche Zusammenleben in Europa symbolisieren und ist laut FUEN „ein Zeichen für das Zusammenspiel von Tradition und Moderne“.

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