Pflanzenporträt

Naturschauspiel mit Nebenwirkungen

Naturschauspiel mit Nebenwirkungen

Naturschauspiel mit Nebenwirkungen

Apenrade/Aabenraa
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Im Juli hatte die Pflanze schon eine stattliche Größe erreicht. Als ungeplanter Gast tauchte sie plötzlich im Garten auf. Foto: Marlies Wiedenhaupt

Die robuste Amerikanische Kermesbeere präsentiert im Laufe des Gartenjahres spannende Farbveränderungen. Allerdings hat sie auch einen Nachteil.

Da bezieht man einen Garten – und natürlich auch eine Wohnung, die glücklicherweise mit ihm verbunden ist – und findet außer Rasen erst mal gar nichts vor. Und das ist gut so! Bahn frei für eigene Gestaltungsideen! Beim Einzug im September fallen die Pläne zunächst in die Kategorie: Lieber erst mal vorsichtig zu Werke gehen und Licht- und Bodenbeschaffenheit kennenlernen.

Ab dem folgenden Jahr füllen sich erste angelegte Beete, und aus dem Rasen streben außer dem Gras die seltsamsten Gewächse ans Licht. Auch an der Grundstücksgrenze taucht plötzlich ein nicht vermuteter Gast auf, der sich mit zunehmender Größe als Amerikanische Kermesbeere entpuppt. Im Frühjahr entwickelt sie cremeweiße Blütenstände, die dann zu grünen Früchten werden. Im Spätsommer sind sie rot und schließlich fast schwarz.

Aus cremeweißen Blütenständen entwickeln sich zunächst grüne Früchte, die im Laufe des Sommers immer dunkler werden. Foto: Marlies Wiedenhaupt

Ein wahres Naturschauspiel – aber eines, das der Hobbygärtnerin eine Entscheidung verlangt. Denn: Phytolacca americana enthält Giftstoffe, „wobei die rübenartigen Wurzeln und die Samen die höchsten Giftgehalte aufweisen“, wie der Naturschutzbund Deutschland berichtet. Indem die Staude über ihre Wurzeln die toxische Substanz abgibt, können unter Umständen andere heimische Pflanzen verdrängt werden. Was also tun? Raus damit? Um Rose und Jakobsleiter, Malve, Minze und Mädchenauge zu schützen?
Keine leichte Wahl. Wie der Nabu weiter schreibt, sind die süßen Kermesbeerenfrüchte bei Vögeln sehr beliebt. Hinzu kommt, dass die Pflanze ein echter Hingucker ist, der 100 bis 250 Zentimeter hoch werden kann.

Für die Nordamerikanerin spricht außerdem, dass sie – wie es im Forum mein-schoener-garten.de heißt – „eine sehr robuste, ausbreitungsstarke Staude ist, bei der kaum Pflanzenkrankheiten oder Schädlinge auftreten“. Auch mit Schnecken habe sie keine Probleme – eher im Gegenteil: „Die giftigen Pflanzenteile, vor allem die Samen und Wurzeln der Kermesbeere, halten die Schädlinge eher auf Abstand und werden sogar als natürliches Bekämpfungsmittel eingesetzt.“

Bis zum Herbst werden die Früchte fast schwarz. Foto: Marlies Wiedenhaupt

Okay – die Entscheidung ist gefallen: Die Kermesbeere wird nach ihrer Blüte noch in diesem Jahr ausgebuddelt und an einer anderen Ecke des Grundstückes wieder eingepflanzt. Wo sie die anderen pflanzlichen Nachbarn nicht vergiften oder den Sonnenhungrigen unter ihnen nicht das Licht stehlen kann. Denn dass sich die Kermesbeere weiter vermehrt, ist abzusehen. Das passiert entweder durch die Vögel, die dafür sorgen, dass sich die Samen verbreiten oder durch Selbstaussaat.


Sollten andere Gartenbesitzer vor einer ähnlichen Entscheidung stehen, hier noch zwei Tipps. Wollen Sie die Verbreitung verhindern, einfach die Blütenstände nach dem Verblühen abschneiden.
Möchten Sie die Kermesbeere komplett aus Ihrem Garten entfernen, die gesamte Pfahlwurzel restlos ausgraben.


Gartenforen empfehlen allerdings, bei jeglichen Maßnahmen Handschuhe zu tragen, um Hautirritationen zu vermeiden.

Info

Der rote Farbstoff in den Beeren ähnelt dem der Roten Bete.
Er wurde früher unter anderem zum Färben von Textilien, Süßigkeiten oder Rotwein eingesetzt. Wegen Letzterem wurde die Pflanze oft in Weingärten oder in ihrer Nähe kultiviert.

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