Bauen und Leben in Schleswig

500 neue Wohnungen auf der Freiheit

500 neue Wohnungen auf der Freiheit

500 neue Wohnungen auf der Freiheit

Joachim Pohl/shz.de
Schleswig
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Mühle Nicola
SIe liegt in der westlichsten Ecke des Bebauungsplan Nr. 105: die Mühle Nicola. Foto: Michael Staudt

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Der letzte Bebauungsplan für die Freiheit ist fertig. Hier sollen 500 Wohnungen, ein Hotel, ein Minihafen mit Luxushäusern und etwas Platz für Gewerbe entstehen.

Es ist nochmal ein großer Wurf. Der Bebauungsplan Nr. 105 deckt den hinteren, nordöstlichen Teil der Schleswiger Freiheit ab, der bisher vor allem durch die Mühle „Nicola“ und das „Kloster Freiheit“ geprägt ist. Auf der knapp elf Hektar großen Fläche an der Schlei sollen insgesamt rund 500 Wohnungen von 55 bis 120 Quadratmeter Größe gebaut werden, die meisten davon in mehrstöckigen, maximal viergeschossigen Häusern und in Reihen-, Einzel- und Doppelhäusern; diese sollen maximal zwei Geschosse plus ein Staffelgeschoss erhalten.
Freifläche Schleswig
Auf der Freifläche entstehen Wohngebäude: Blick von der Galerie der Mühle Nicola. Foto: Arnd Jansohn

Die Stadt hat beschlossen, dass jede zehnte Wohnung mit Geld aus der Wohnraumförderung teilfinanziert werden soll; damit ist die Miete auf Jahrzehnte gedeckelt und man braucht einen Wohnberechtigungsschein, um dort zu wohnen. Die Sozialwohnungen dürfen in einem oder zwei Gebäuden gebündelt werden und müssen nicht auf alle verteilt werden.

Eine Sonderstellung nehmen die so genannten Steghäuser ein, die rechts und links eines kleinen Hafens entstehen soll, der von der Schlei in das Baugebiet hineinragt. Im Bebauungsplan ist vom „hochpreisigen Eigentumswohnungsmarkt“ die Rede, die Häuser dürfen zwei Geschosse mit einem zusätzlichen Staffelgeschoss erhalten. Die Enden der Häuser sollen quasi freischwebend über den Wasser errichtet werden.

Ein Hotel bis zu fünf Geschossen direkt am Schlei-Ufer

Das bereits vorhandene nierenförmige Binnengewässer in der Mitte des Areals soll erhalten bleiben und wird von einer Grünfläche umgeben sein. Grün- und Freiflächen sollen insgesamt 2,1 Hektar abdecken, das ist knapp ein Fünftel der Gesamtfläche. Für die Südecke direkt am Schleiufer sieht der Plan den Bau eines Hotels mit bis zu fünf Geschossen vor. Ferienwohnungen sollen nur in dem mehrgeschossigen Gebäude ganz im Norden des Gebiets zugelassen werden.

 östlicher Teil des Baugebiets Schleswig
Vorn Reihenhäuser, hinten mehrgeschossige Häuser: So sieht der östliche Teil des Baugebiets aus der Müller-Perspektive aus. Foto: Arnd Jansohn

Entlang der Planstraße G1 ganz im Südwesten des Gebiets plant die Stadt Schleswig eine gemischte Nutzung aus allgemeinem und sozialgebundenem Wohnraum, Gewerbe und Dienstleistungen sowie sozialen und gesundheitlichen Einrichtungen.

Im Bereich der Wohnflächen geht die Stadt an die Obergrenze der vom Gesetzgeber festgelegten Baudichte heran, um auf diese Weise auf der vorhandenen Fläche möglichst viele Wohnungen unterzubringen. Somit soll und wird das Quartier einen „urbanen Charakter“ erhalten.

Dies wird von Seiten der Stadt Schleswig ausdrücklich begrüßt.
Begleittext zum B-Plan, gemeint sind die Tiefgaragen
In einigen Bereichen sind Tiefgaragen vorgesehen, die einen Großteil der privaten Stellplätze aufnehmen sollen. „Dies wird von Seiten der Stadt Schleswig ausdrücklich begrüßt“, heißt es im Plantext. Somit können großflächige oberirdische Stellplatzanlagen vermieden werden. Ein Großteil der Häuser soll Gründächer erhalten. Aber auch Photovoltaik auf den Dächern ist ausdrücklich zugelassen.
Klostermauer Schleswig
Die umstrittene, halb-fertige Mauer des Klosters. Durch den B-Plan ist sie jetzt offenbar erlaubt. Foto: Arnd Jansohn

Ohne viel Aufhebens wird mit dem Bebauungsplan nun wohl auch der schwelende Konflikt um die Klostermauer gelöst. Im Dezember hatte die Stadt einen Baustopp verhängt und den sofortigen Rückbau der bis zu 3,30 Meter hauen Mauer verfügt. Kloster-Gründerin Susanne Schöning musste gerichtlich dagegen vorgehen, um diesen Rückbau zu verhindern. Nun steht auf Seite 15 des Textes zum Bebauungsplan, dass „im Bereich des Sondergebietes 'Seminarzentrum' als Einfriedigung zur öffentlichen Verkehrsfläche auch eine Mauer mit einer Höhe von im Mittel 2,50 Meter über der Oberkante der angrenzenden Straßenverkehrsfläche zulässig ist.“ Hiermit soll für das Kloster die Möglichkeit geschaffen werden, „einen ruhigen, ungestörten Innenbereich herzustellen“. Die Höhe sei so gewählt worden, dass die Mauer zum einen nicht überschaubar sei und zum anderen aber auch keine überdimensionierte, erdrückende Wirkung erziele.

Hier die ganze Geschichte: Baustopp in Schleswig: Mauer am „Kloster Freiheit“ zu hoch

Um dem zunehmenden Fahrradverkehr Rechnung zu tragen, wird ein Radweg durch das Grüngebiet von West nach Ost geführt. Von diesem Weg können Radfahrer nach rechts und links zu den Wohnhäusern abbiegen. Zudem gibt es weitere Fuß- und Radwege innerhalb der einzelnen Blöcke. „Damit soll ein möglichst vielfältiges und attraktives Wegenetz für die nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer geschaffen werden“, heißt es im Text. Der ufernahe Wanderweg zweigt jedoch vor den Steghäusern nach innen ab und kann hier nicht mehr direkt am Ufer fortgesetzt werden.

Am Dienstag soll der Bebauungsplan Nr. 105 im Bauausschuss als Satzung beschlossen werden,

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