Kultur

Theater am Mühlenstrom enthüllt spannendes Programm

Theater am Mühlenstrom enthüllt spannendes Programm

Theater am Mühlenstrom enthüllt spannendes Programm

Hadersleben/Haderslev
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Theaterchef Nikolaj Mineka präsentierte am Mittwoch das Programm für die Saison 2020-21. Foto: Nils Baum

Besser spät als gar nicht – diese Devise hat sich das Theater am Mühlenstrom zu eigen gemacht, als es sein Programm für die kommende Saison präsentierte. Nachdem die Jubiläumsvorstellung „Romeo + Julia" eigentlich im Juni Premiere gehabt haben sollte, kommt das Leuchtturmprojekt zum 100. Jahrestag der Grenzziehung nun im Mai 2021 auf die Bühne.

„Ich bin unendlich froh, dass wir heute hier stehen und mitteilen können, dass wir unsere Arbeit fortsetzen und ein Programm für die kommende Saison präsentieren können“, fasst Theaterchef Nikolaj Mineka die aktuelle Situation gegenüber dem „Nordschleswiger“ mit einem strahlenden Lächeln zusammen.

Coronabedingt fällt die Enthüllung des Spielplanes für die kommende Saison anders aus als gewöhnlich. Was heute bereits bei der Vorstellung des Programms gilt, wird auch für die Zuschauer während der Aufführungen gelten: Hände desinfizieren und Abstand halten.

Dennoch kann der Theaterchef seine Freude nicht zurückhalten: „Es fühlt sich unendlich lange her an, dass wir Publikum hier bei uns hatten. Und auch wenn diese Saison anders wird, so warten wir mit einem spannenden Programm für die Saison 2020-21 auf.“

Dazu zählen zwei Eigenproduktionen.

Premiere für „Romeo + Julia“ im Mai

Das Kronjuwel, die große dänisch-deutsche Gemeinschaftsproduktion „Romeo + Julia“, die eigentlich im Juni Premiere gehabt haben sollte, steht auch für die kommende Saison auf dem Spielplan und hat nun am 28. Mai Premiere. „Wir mussten unsere Pläne, im Zelt zu spielen, aufgeben. Aber statt dem nachzutrauern haben wir auf all das fokussiert, was funktioniert“, zeigt sich der Theaterchef optimistisch.

„Das Budget für die Vorstellung fällt durch die zeitliche Verschiebung entsprechend geringer aus. De facto wird ,Romeo + Julia' doppelt so teuer, da die Schauspieler auch während der coronabedingten Schließung des Theaters weiterhin ihren Lohn erhalten haben. Doch durch den Verzicht auf das Zelt konnten wir alle anderen Elemente der Aufführung bewahren“, gibt Mineka zu bedenken. Er ist deswegen überzeugt, dass das Theater noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen ist.

Wir mussten unsere Pläne, im Zelt zu spielen, aufgeben. Aber statt dem nachzutrauern haben wir auf all das fokussiert, was funktioniert.

Nikolaj Mineka, Theaterchef

Aber ob dies nur für den Augenblick gilt oder auch auf längere Sicht, wird sich erst nach zwei bis drei weiteren Spielsaisons zeigen. „Für den Moment können wir uns nur für die große Unterstützung von Seiten unseres Publikums und unserer Schauspieler bedanken“, so Mineka.

Tom Buk-Swientys Roman auf der Bühne

Für die kommende Saison können sich alle Theaterfreunde neben „Romeo + Julia“ auf einen zweiten Höhepunkt freuen. Das Stück „Das einsame Herz“ („Det ensomme hjerte“) wird am 30. Oktober erstmals aufgeführt. Es beruht auf dem gleichnamigen Roman von Tom Buk-Swienty, in dem er die Erinnerungen Hans Horns vermittelt, der der Nachwelt in Form von Niederschriften und Aquarellen seine vor allem auf den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs basierende Lebensgeschichte auf ergreifende Weise hinterlassen hat.

Nach Überzeugung von Theaterchef Nikolaj Mineka ist dabei besonders interessant, dass mit diesem Stück ein deutscher Blickwinkel auf die Bühne kommt. Neben drei Schauspielern wird zudem ein Streicherensemble live für die musikalische Untermalung des Stückes sorgen und damit einen neuen dramaturgischen Winkel bieten.

Bereits eine Woche zuvor können Interessierte an einer Unterhaltung zwischen Autor Tom Buk-Swienty und dem Dramaturgen Brian Wind-Hansen teilnehmen, wenn die beiden der Frage nachgehen, wie man einen großen Roman auf die Bühne bringt.

Coronabedingte Änderungen

Daneben bietet die kommende Saison einen Reigen unterschiedlicher Aufführungen. Für sie alle gilt, dass es noch viele Unbekannte bezüglich der Handhabung der Corona-Situation gibt. Deswegen wird das Theater am Mühlenstrom auch in einen laufenden Dialog zu allen praktischen Fragen mit seinen Zuschauern treten.

Zunächst müssen die Vorstellungen ohne Pausen auskommen, da der dafür zur Verfügung stehende Raum zu klein ist, um den geforderten Mindestabstand von zwei Metern per Person einhalten zu können. Auch werden nur 30 Personen Zutritt zu einer Vorstellung haben, sodass jeder zweite Stuhl leer bleibt. Nur wenn die Gäste einer gemeinsamen Gruppe entspringen und sich dementsprechend kennen, können auch mehr als 30 Personen Einlass finden.

„Dies kann zwar auf längere Sicht schwierig werden, aber wir tun alles, um uns entsprechend der geltenden Corona-Richtlinien zu verhalten. Und wir hoffen natürlich, dass sich das noch ändern wird, im Takt mit weiteren Lockerungen der geltenden coronabedingten Restriktionen“, sagt Mineka.

Das Programm des Theaters am Mühlenstrom deckt thematisch ein weites Feld ab. In der Saison 2020-21 stehen mit „Romeo + Julia“ und „Das einsame Herz“ zwei Eigenproduktionen auf dem Programm. Foto: Nils Baum

Theaterchef verlängert Vertrag um weitere vier Jahre

Neben der Präsentation des Programmplans kann sich das Theater am Mühlenstrom auch darüber freuen, dass es gelungen ist, Nikolaj Mineka für weitere vier Jahre als Theaterchef zu verpflichten. Damit bleibt er dem Theater am Mühlenstrom bis 2026 erhalten, ansonsten wäre sein Vertrag in zwei Jahren ausgelaufen.

Und darüber freut sich die Hauptperson selber besonders. „Dies ist mein zweites Zuhause, und mit einer jetzt sechsjährigen Perspektive gibt es hervorragende Möglichkeiten, das Theater mit Respekt für das bereits Geschaffene weiterzuentwickeln“, meint Nikolaj Mineka.

„Wir haben unsere Aufführungen und unser Repertoire ein wenig verändert. Zum Beispiel nehmen wir jetzt verstärkt Lokalgeschichte als Ausgangspunkt für unsere Inszenierungen, und wir arbeiten mehr mit visuellen Ausdrucksformen. Gleichzeitig wollen wir aber auch versuchen, an unseren Grundwerten festzuhalten. Dieses Theater ist seit über 40 Jahren ein fantastisches Theater, und wir wollen den roten Faden fortführen“, lächelt Mineka überzeugt.

„Die Mehrzahl des Publikums gehört zur Altersklasse ab 50 Jahren aufwärts. Deshalb würde es für uns keinen Sinn machen, wenn wir uns jetzt intensiv auf die ganz junge Zielgruppe konzentrieren würden. Wir arbeiten aber an Stücken, die sich an ein jüngeres Publikum zwischen 30 und 50 wenden“, sagt Mineka. Er möchte dem Theater eine moderne Ausdrucksform geben, sodass ein möglichst breites Publikum Freude an den Aufführungen findet.

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