FASZINATION SCHWEINSWAL

Whale-Watching auf der Flensburger Förde

Lars Kohstall/shz.de
Flensburg
Zuletzt aktualisiert um:
Die Wahrscheinlichkeit, auf der Tour einen Schweinswal zu sehen, liegt bei 90 Prozent. Foto: Lars Kohstall

Der Nabu geht mit den Schweinswal-Touren in die neue Saison: 20 Fahrten sind für 2018 geplant.

Leinen los, die Flora II sticht in See. Unser Ziel fest vor Augen: die Ochseninseln. Aus den Lautsprechern tönt: „Ich bin Kapitän Hansen und begrüße Sie zur ersten Whale-Watching-Tour in diesem Jahr.“ Whale-Watching? Geht das nicht nur in Neuseeland oder Norwegen? Nein: Die Ostsee ist ein wichtiger Lebensraum der Schweinswale – vor allem in der Flensburger Förde werden die Meeressäuger häufig gesichtet.

„Wir gehen davon aus, dass rund 20 Schweinswale in der Förde zu Hause sind“, erklärt Dagmar Struß vom Nabu. Seit 2015 ist sie mit Ausschau nach Schweinswalen auf den lokalen Gewässern unterwegs. Während Kapitän Christian Matthias Hansen das Ausflugsschiff entlang der Küste lotst, informiert Struß die Passagiere über das Säugetier.

Diese Woche sind die Schweinswal-Touren in die neue Saison gestartet.

Von Ende Juni bis Anfang September ist die Flora II zum Whale-Watching auf der Förde. Struß weiß: „In den Monaten Mai und Juni kommen viele Schweinswalkälber zur Welt. Das flache Wasser in Flensburg ist dafür bestens geeignet.“ Noch vor drei Jahren lag die Wahrscheinlichkeit, einen Schweinswal bei den Touren zu Gesicht zu bekommen, bei 50 Prozent – heute sind es 90 Prozent.

Der Grund dafür ist nicht etwa ein Populationszuwachs. Vielmehr haben Kapitän Hansen und Dagmar Struß die Route perfektioniert: „Die Schweinswale leben gerne an den Steilhängen unter Wasser“, erklärt Hansen, „entsprechend haben wir die Route angepasst.“ Startpunkt ist die Fördebrücke, dann der Solitüder Strand, vorbei an der dänischen Küste – und schließlich werden die Ochseninseln umfahren.

Und die erste Tour in diesem Jahr? Ein voller Erfolg. „Heute sind beste Bedingungen: ein leichter Wind, ein paar Wolken“, meint Kapitän Hansen zu Anfang der Reise. Lange Zeit sah es anders aus. Die Schweinswale ließen erst einmal auf sich warten. „Man muss einfach Glück haben“, betont Struß. Bis zu den Ochseninseln war auf dem Wasser nichts zu sehen.

Schweinswale in Sicht

„In den Monaten Mai und Juni kommen viele Schweinswalkälber zur Welt“, erklärt Dagmar Struß von der Nabu-Landesstelle.

Auf der Rückfahrt ist es endlich soweit: Der Kapitän steuert schon Richtung Flensburger Hafen. Plötzlich der Aufschrei: „Da war doch was!“ Alle Gäste schauen auf die Backbord-Seite. Tatsächlich: Wieder taucht die Rückenfinne eines Schweinswals auf. Kapitän Hansen nimmt sofort das Tempo raus und bringt das Schiff in Position. Im Sekundentakt kommen achteraus und Richtung Steuerbord weitere Schweinswale zum Vorschein – was für ein einmaliger Anblick!

Danach ist wieder die Ruhe. Die Tiere tauchen unter Wasser. Natürlich, ein Delfin ist unterhaltsamer, ein Buckelwal ist beeindruckender – ein Schweinswal ist aber lokaler und nicht weniger besonders.

Wozu eigentlich die Whale-Watching-Fahrten?

Aus Spaß? Nein, der Nabu möchte auf die Bedrohung des „kleinen Tümmlers“ aufmerksam machen. „Theoretisch liegt die Lebenserwartung eines Schweinswals bei rund 25 Jahren“, so Dagmar Struß. Die Realität sieht anders aus: Einer Studie zufolge sterben viele Schweinswale in der Ostsee noch vor ihrem fünften Lebensjahr – Fortpflanzung ist in diesem Zeitraum noch nicht möglich.

Todesursache Nummer Eins sei die Stellnetz-Fischerei. „Das Problem sind die dünnen Netze, in denen sich die Tiere verfangen“, schildert Struß, „mit den Flensburger Fischern funktioniert die Zusammenarbeit aber inzwischen nicht schlecht.“ Die Beliebtheit und Sensibilität für Schweinswale scheint zu wachsen: Unter den zehn Passagieren ist Viola Walter, die für ihren Urlaub und die Tour gemeinsam mit ihrer Tochter sogar aus Kaiserslautern kam. Bis Ende September stehen 20 weitere Fahrten an.

Eine Anmeldung ist über die E-Mail Dagmar.Struss@NABU-SH.de möglich.

Mehr lesen